Quelle: Wikipedia/nh

Alles Gute, Basti!

Heute, am 1. August 2016, feiert Bastian Schweinsteiger seinen 32. Geburtstag. Dem inzwischen zurückgetretenen Ex-Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft widmet Gastautor Steffen Peters von sporticos.com ein paar Worte zum Ehrentag. 

In den Zeiten, wo die deutsche Nationalmannschaft einfach noch sie selbst statt #DieMannschaft war und der Weltmeistertitel in der Nacht von Rio eingefahren wurde, war er einer der Hauptdarsteller. Mit blutverschmiertem Gesicht, gezeichnet von diversen Ellbogenattacken und Foulspielen, quälte sich Bastian Schweinsteiger über die Ziellinie.

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Quelle: Steffen Peters/sporticos.com

Er hatte alles gegeben für diesen einen, den vermeintlich größten aller Pokale, bis er ihn endlich in die Luft recken durfte. Der lange Weg dorthin war beschwerlich, von Enttäuschungen durchzogen und erst mit dem Champions-League-Sieg des FC Bayern im Jahr 2013 in einem anderen Licht zu sehen. Trotz aller Rückschläge war an Aufgabe nie zu denken. Schweinsteiger wurde erst spät im zentralen Mittelfeld eingesetzt, stieg dort jedoch schnell in die Weltklasse und zu Deutschlands Fußballer des Jahres auf.

In seinen 120 Länderspielen erlebte er viele Hochs und Tiefs, war für viele immer der heimliche Kapitän. Als er es endlich auch offiziell nach der WM wurde, war es im Grunde schon zu spät. Verletzungen zwangen den heute 32-jährigen zum häufigen Aussetzen auf der Couch.

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Statistik: So verliefen die fünf letzten Spiele von Bastian Schweinsteiger in der Deutschen Nationalmannschaft. Quelle: Stefan Peters/sporticos.com

Dasselbe galt logischerweise für seine Zeit bei Manchester United, die im Sommer 2015 mit viel Aufregung begann. Trotz seiner anhaltenden Verletzungen hielten es Louis van Gaal und seine Vorgesetzten für angebracht, Schweinsteiger in Anbetracht der steigenden TV-Einnahmen in der Premier League bescheidene 14,3 Millionen Pfund pro Jahr zu bezahlen. 1201 Ligaminuten später möchte ihn der neue Steuermann José Mourinho wieder loswerden, wenn man entsprechenden Medienberichten Glauben schenken möchte.

Bei aller Liebe für große Namen unterstreicht es vor allem zwei Fakten. Einerseits den, dass Schweinsteiger seinen Zenit schon länger überschritten hat, auch wenn er sicherlich noch immer in der Lage ist, in einzelnen Spielen Klasse-Leistungen auf den Platz zu bringen. Andererseits ist das heftige Fehlmanagement von englischen Vereinen geradezu lachhaft. Einem 31-jährigen, dem man beim FC Bayern keinerlei Steine in den Weg legte, dermaßen überzubezahlen und sein Potential derartig zu überschätzen, zeugt von Ideenlosigkeit, schlechtem Scouting und dem Fakt, dass außer viel Geld in England nichts vorhanden ist, vor allem kein nachvollziehbares Konzept.

Es ist vielleicht sogar selbst in Schweinsteigers bestem Interesse, aus der englischen Liga wieder herauszukommen, die große Vergangenheit von Manchester United hin oder her. Wie der Name schon sagt, ist es die Vergangenheit und hat mit der aktuellen Kadersituation herzlich wenig zu tun. Anstatt auf die jungen Marcus Rashford oder Anthony Martial zu setzen, wird mit Zlatan Ibrahimovic der nächste Fußball-Rentner Einzug in den Old Trafford erhalten.

Wo also liegt die Zukunft von Bastian Schweinsteiger? Bevor er sicherlich einmal eine Position im Management des FC Bayern einnehmen wird, sind vielleicht noch zwei aktive Jahre drin, jedoch nicht in einer Liga, die so körperlich fordernd wie die englische ist. Schon oft wurde über einen USA-Abstecher spekuliert und einige MLS-Klubs wären sicher nicht abgeneigt, um den Sport selbst und die Einschaltquoten auf der anderen Seite des Nordatlantiks weiter zu pushen.

Was auch immer in der nahen Zukunft passiert, ich wünsche dir alles Gute, Basti. Ob England oder nicht, du bist einer von den ganz Großen.

Von Steffen Peters

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Warum ich keine Länderspiele gucke oder: #NichtMeinVerband

An dieser Stelle sei erstmal erwähnt, dass ich hier als Fußball-Fan blogge. Nicht als neutraler Journalist. Ich würde bezweifeln, dass es sich bei dem ganzen Trubel um die EM ein Redakteur einer Zeitung trauen würde, eine solche Meinung zu verfassen.

Alle zwei Jahre muss ich mich rechtfertigen. „Lass mal zusammen EM gucken.“ – „Nee, guck ich nicht.“ – „Was, wie kann das denn sein? Deutschlandspiele muss man doch gucken?“ NEIN, muss ich eben nicht. Und mache ich auch nicht. Für mich bedeuten große Turniere wie Welt- und Europameisterschaften eines: Eine zumeist längere Sommerpause, was bedeutet, dass ich länger auf meinen geliebten Verein verzichten muss. Das nervt.

Da es scheinbar einzigartig ist, keine Deutschlandspiele zu gucken und nicht mit Fähnchen im Gesicht vor die Tür zu gehen, fasse ich einfach mal zusammen: Darum gehen mir die Spiele der EM mit deutscher Beteiligung so ziemlich am Allerwertesten vorbei. Gut, und die restlichen Spiele eigentlich auch.

  1. DER DFB. Fangen wir mit dem für mich wichtigsten Grund an. Wobei die Unterschiede recht marginal sind. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich den DFB als Verband nicht ausstehen kann. Die Funktionäre im Deutschen Fußball-Bund haben bei den Skandalen rund um die Herren Blatter, Platini und Co. mit ihren Aussagen keine glückliche Figur gemacht. Stattdessen geriet ein Wolfgang Niersbach selbst ins Kreuzfeuer, auch ein Franz Beckenbauer hat scheinbar als Funktionär nicht immer rechtens gehandelt.

    Das bringt mich zu der Vermutung (wie gesagt, Vermutung, beweisen kann ich es nicht): Einige der hohen Tiere beim DFB haben mit Sicherheit ebenfalls keine Weste. Zumindest könnte ich mir das gut vorstellen. Bei mir haben jedenfalls die Funktionäre im Fußball jegliches Vertrauen verloren. Klar schert man da nach einem Vorfall in der Fifa alle anderen über einen Kamm, aber was soll man als Fan heute noch glauben? Vor seiner Wahl verspricht der neue Fifa-Präsident Infantino, den Verband wieder auf die richtige Bahn zu lenken, später kommt der Verdacht, dass er wohl auch nicht sauber ist. Ganz ehrlich, als Fan komme ich mir da veralbert vor und ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass bei großen Verbänden wie in Deutschland, England und Co. nicht auch getrickst und geschmiert wird, wo es nur geht.

    Gleichzeitig bin ich ein großer Feind des Kurses des DFB gegen die deutschen Ultras. Klar soll sich niemand in deutschen Stadien prügeln, Gewalt ist einfach nicht zu tolerieren. Klar gehören so Idioten, die den Platz stürmen, nicht ins Stadion. Muss man aber deswegen immer Kollektivstrafen verhängen? Muss man Auswärtsfans (Beispiel Frankfurt in Darmstadt) stets Steine in den Weg legen? Nein. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn der DFB wollte, könnte er die Randalierer gezielt einzeln aus dem Verkehr ziehen. Stattdessen werden gleich alle Ultras ausgesperrt. Ist halt einfacher. Damit sorgt der DFB aber nicht für mehr Sicherheit. Stattdessen werden die deutschen Stadien durch diesen Kurs immer ruhiger. Dafür werden schön die Fans abgezogen, die sich ihr Ticket für 90 Euro kaufen und bei einem Tor gerade so klatschen. Nein, so will ich nicht im Stadion Fußball gucken.

    Long Story short: All diese Punkte, und ich könnte noch mehr aufzählen, sorgen für eines: Ein Team, dass unter dem Banner des DFB aufläuft, kann ich einfach nicht anfeuern.

  2. DIE SPIELER. Das geht fix jetzt, versprochen! Mein Standpunkt: Während der Bundesliga-Saison stehe ich zu meinem Verein. Klar, dass man da auch Abneigungen gegen gewisse Spieler eines Konkurrenten hegt. Wenn ich jetzt 34 Spieltage lang gegen diesen Verein und gegen diesen Spieler bin, fange ich nicht im Sommer an, diesen plötzlich anzufeuern, als hätte ich alles andere vergessen. Das käme mir wie Betrug an meinem Verein vor, das könnte ich nicht.
  3. DER EVENTCHARAKTER. Länderspiele haben in ihrem Drumherum noch weniger mit Fußball zu tun, als es in den nationalen Ligen dank Kommerzialisierung schon der Fall ist. Länderspiele sind nur alle paar Wochen, für ein absolut grottiges Spiel gegen einen Gegner wie die Slowakei werden die Fans kräftig zur Kasse gebeten. Am besten noch ein Trikot angedreht und ein Schal, schon wurde der Zuschauer kräftig abgemolken. Und die Stimmung im Stadion ist dann natürlich unterirdisch, weil sich Ultras sowieso nicht antun würden. Stattdessen wird noch fröhlich gepfiffen. Unglaublich!

    Länderspiele verkommen immer mehr zum Unterhaltungsevent statt zu einem Sportspektakel. Auch bei der EM. Da wird so viel Brimborium um Nichts gemacht, und am Ende schaffen es die deutschen Fans halt einfach nicht, Stimmung zu machen. Das hat nichts mit Fankultur zu tun. So Bilder wie aus dem Block der Nordiren sind erfrischend. Halbgarer Jubel, wenn Mario Gomez den Ball über die Linie stolpert, nicht.

  4. FANS, DIE KEINE SIND. Jeder Mensch ist anders. Das finde ich schön. Ich mag Fußball, mein Kumpel lieber Handball, der Arbeitskollege guckt lieber Basketball. Am Ende hat jeder Mensch eine andere Begeisterung, und das ist gut.

    Was ich allerdings nicht ausstehen kann, ist, wenn die Leute vorgeben, von etwas Fan zu sein, nur weil alle anderen es tun. Wenn ich durch meinen Facebook-Account gehe, sehe ich vor jedem Spiel 200 Frauen, die sich mit Deutschland-Fähnchen, Trikot und Flagge eingehüllt beim Selfie zu zeigen. Pure Selbstdarstellung, wirklich interessieren für das Spiel tun sich nur wenige Leute dieser Selfie-Fans. Hauptsache die anderen damit beeindrucken wollen, dass man auch Fußball guckt. Wenn dann aber Bundesliga ist, hört man wieder nur „Oh, Fußball ist so langweilig.“

    Und das geht gar nicht. Ich freue mich auch nicht, wenn jetzt ein THW Kiel die Handball-Champions-League gewinnt. Einfach, weil ich kein großer Handball-Fan bin. Ich bin ich selbst und gebe nicht vor, jemand zu sein, der ich nicht bin. Es ist doch überhaupt kein Problem, sich nicht für Fußball zu interessieren. Diese Heuchelei bei großen Turnieren nervt viel schlimmer. Und Erfolgsfans, da sind sich alle einig, die mag keiner.