Niko Kovac ärgert sich, dass er 120-Mio.-Mann Coutinho zu früh eingewechselt hat

Leipzig (khi) – Frust bei FC Bayern-Trainer Niko Kovac: Nach dem bitteren 1:1-Unentschieden bei Bundesliga-Tabellenführer plagen den 47-Jahre Zweifel. Der Grund: Die Einwechslung von Leihspieler Philippe Coutinho, der nächste Jahr für 120 Millionen Euro zu den Bayern wechseln kann.

„Das habe ich verbockt“, sagte Kovac sichtlich angefressen nach dem Spiel. Doch was war passiert? Beim Stande von 1:1 brachte Kovac Hoffnungsträger Coutinho in der 88. Minute. Das Timing hätte nicht schlechter sein können, geht es nach Kovac. „Ich habe ihn zwei Minuten vor Schluss eingewechselt, dabei gab es noch zwei Minuten Nachspielzeit. Hätte ich Philippe in der 91. Minute eingewechselt, hätte er seine Energie gezielt in der letzten Minute einsetzen können, statt sich über vier Minuten auspowern zu müssen.“

Da Coutinho insgesamt vier Minuten spielen musste, konnte er laut Kovac in den entscheiden Momenten nicht mehr 100 Prozent abrufen. „In den entscheidenden Momenten hat einfach die Spritzigkeit gefehlt“, resümiert Kovac. Doch aus Fehlern lernt man – so auch der Coach des FC Bayern. Für das nächste Spiel hat er sich vorgenommen, besser mit dem 120-Millionen-Mann umzugehen. „Am Samstag gegen Köln warte ich mindestens bis zu 90. Minute, bevor ich Coutinho einwechsele“, sagt Kovac. Damit schiebt er einem Einsatz des prominenten Neuzugangs gegen Belgrad am Mittwoch einen Riegel vor: „Der Junge stand vier Minuten auf dem Platz, Schonung ist in den Englischen Wochen das A und O.“

Deutlich zufriedener war Kovac mit der Einwechslung von Jungstar Alphonso Davies. Der 18-Jährige kam in der 63. Minute für Serge Gnabry und überzeugte mit 29 Ballkontakten, 0 Toren und 0 Vorlagen. „Alphonso bringt die Erfahrung aus 10 Pflichtspielen für unsere Profis mit, zudem hat er mindestens 20 Mal Testspiele gegen Gegner wie Rottach-Egern bestritten. Diese Erfahrung ist in so einem wichtigen Spiel unbezahlbar.“ Bei aller Zufriedenheit mit Davies, einen kleinen Makel entdeckte Kovac dann doch: „In so einem wichtigen Spiel hätte ich ihn vielleicht schon zur Halbzeit bringen sollen. Mindestens.“

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Kurz vor der Winterpause: Endlich eine Auszeit

Mitte Dezember. Über vier Monate der aktuellen Fußballsaison liegen hinter uns, die Bundesliga verabschiedet sich in wenigen Tagen in die Winterpause. Normalerweise eine Zeit für mich, die ich nicht besonders leiden kann. Ein Samstag ohne Fußball? Und das in einer Jahreszeit, wo es draußen sowieso so kalt ist, dass man nur auf der Couch rumliegen möchte? Eigentlich unvorstellbar. Außer in diesem Jahr. Erstmals bin ich an dem Punkt, an dem ich sage: Endlich ist mal kein Fußball.

Schleichend ist die Luft raus

Meine Motivation für den Sport ist gerade ungefähr zu vergleichen mit einem alten Fußball, den man schon seit Kindheitstagen hat. Man hegt und pflegt ihn aus Gewohnheit, doch mittlerweile liegt er nur noch im Keller und setzt Staub an. Und aus dem vormals prall aufgepumpten Sportgerät entweicht langsam die Luft. So fühle ich mich seit Sommer 2018.

Normalerweise war die Sommerpause immer mein geschworener Todfeind. Rund drei Monate ohne Fußball sind halt noch ätzender als die Winterpause. Dafür war ich stets in den letzten Zügen der Sommerpause – also Ende Juli, Anfang August – heiß wie ein frisch geteertes Dach in der Sonne auf die neue Saison. Dieses Jahr war das erstmals nicht so.

Klar, irgendwo hat man sich auf Fußball gefreut. Den ersten Spieltag hat man auch noch mitgenommen, jede Sekunde Fußball geguckt, wo es nur ging. Doch schon am 2. Spieltag bin ich während der samstäglichen Konferenz auf der Couch eingepennt.

Gut, das ist früher auch schon mal passiert. Dann war aber spätestens um 18:30 Uhr die Sportschau Pflicht, um auch nichts verpasst zu haben. An jenem lauen Sommertag im September 2018 entschied ich mich aber gleichgültig, lieber einfach nach dem Aufwachen die Playstation anzuschmeißen. Eigener Club hat gewonnen? Ok, mehr muss ich nicht wissen.

Immer mehr Auszeiten am Samstag 

Und dieser „Schlendrian“ in Sachen Fußball-Gucken setzte sich fort. War es für mich früher – was heißt früher, eigentlich bis vor wenigen Monaten – noch eine Höllenqual, wenn ich samstags oder sonntags meinen Verein nicht verfolgen konnte, aus welchem Grund auch immer, war es mir seit dieser Saison einfach komplett egal.

Immer öfter ließ ich dem inneren Schlendrian in mir den Vorzug. Statt wie sonst Fußball zu gucken, war ich unterwegs, saß am PC, zockte, legte mich in die Sonne, las ein Buch… Alles war irgendwie verlockender als Fußball. Inzwischen habe ich in dieser Saison gefühlt schon mehr Fußballwochenenden verpasst als in den vergangen fünf Jahren zusammengezählt. Und diesmal war das Verpassen absichtlich, sonst nicht.

Ich gebe sogar zu: Teilweise hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass unter der Woche Champions League oder DFB-Pokal anstand. Davon merkte ich teilweise erst, wenn ich unterwegs auf mein Handy starrte und einer Push-Nachricht von einer Sport-App bekam, dass meine Mannschaft ein Tor geschossen hatte. Ups.

Ich bereue Nichts

Tut mir das im Nachhinein leid? Nö, eigentlich nicht. Früher hätte mich sowas auch drei Tage später noch geärgert. Wo wir wieder bei dem Wörtchen früher sind. 

Inzwischen bin ich nämlich an dem Punkt, wo ich sage, dass mir der Fußball einfach zu viel geworden ist. Jede Woche mindestens ein Spiel, teilweise zig englische Wochen am Stück mit sieben Spielen in 20 Tagen – boah. Danke, aber nein danke. Der Fußball ist von einer Leidenschaft, von etwas Besonderem, zum 08/15-Produkt geworden, das man hinterhergeworfen bekommt.

Bestes Beispiel: Früher hätte ich alles getan, um eine Karte für Stadion meines Vereins zu bekommen. Und innerhalb der letzten zwei Jahre war ich auch jeden Monat mindestens 1-2 Mal im Stadion. Jedes Mal war es einfach nur ein schönes Gefühl und auch jetzt ordne ich die Atmosphäre in einem Fußballstadion noch als etwas absolut Außergewöhnliches ein. Aber ich habe einfach keinen Bock mehr drauf. In dieser Saison war ich erst einmal im Stadion. Und das, als das Idol meiner Kindheit, Bastian Schweinsteiger, sein Abschiedsspiel feierte.

An Gelegenheiten mangelte es jedoch nicht. Ich hätte fast jedes Heimspiel besuchen können. Aber ich wollte einfach nicht. Ich zog es vor, lieber was anderes zu machen.

Krankheitsdauer? Ungewiss

Wie lange mich diese „Krankheit“ noch plagen wird? Ich habe keine Ahnung. Gerade könnte ich nicht sicher sagen, ob es nicht noch sogar Monate dauern wird, bis die Leidenschaft wieder zurück ist. Und das ist für mich völlig okay.

Ich hätte zwar nie gedacht, dass es mal so kommt – und das meine ich so, ich war fußballverrückt ohne Ende – aber ich kann wirklich behaupten: der Fußball ist mir mittlerweile kaum noch wichtig. Ich informiere mich noch, wie mein Verein gespielt hat, mal sehe ich mir ein Spiel an – das war´s. 

Doch wer trägt Schuld an dieser Entwicklung? Ich kann es nicht sagen. Der Spielplan meines Vereins wurde nicht aufgebläht. Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League – die gleichen Wettbewerbe wie vor fünf, zehn, fünfzehn Jahren auch. Gerne würde ich hier dem DFB die Schuld für meine Lustlosigkeit in die Schuhe schieben, aber es geht nicht.

Vereinfacht gesagt: Ich habe einfach keinen Bock mehr. Aus allen Gründen. Oder von allen Gründen ein bisschen. Wie die auch immer heißen mögen. 

Aber: Meine Fußball-Abstinenz hat auch positive Seiten. Die Leidenschaft, Sport vorm TV zu gucken, ist immer noch vorhanden. Nur schaue ich zur Zeit lieber Basketball. Oder Football. Alles tolle Sportarten, mit denen man sich auch beschäftigen kann. Und die teilweise noch deutlich tiefgründiger sind – zumindest im Bezug auf Daten und Statistiken. 

Man sieht also: Fußball ist halt doch nicht alles im Leben.