So verarscht die DFL die Fans

Da ist es also, das erste offizielle Montagsspiel der Fußball-Bundesliga. Am 2. Mai trifft Werder Bremen auf den VfB Stuttgart. Hintergrund: Angeblich wünscht sich die Polizei, keine Spiele am 1. Mai stattfinden zu lassen. Angesichts des prekären Datums mag das sogar sinnvoll sein. Dennoch: Die DFL verarscht in diesem Zusammenhang die Fußballfans.

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Rückblick ins Jahr 2011

Schauen wir doch mal auf die Saison 2010/2011. Damals nämlich fiel der 32. Spieltag auch auf das Wochenende vom 29. April bis zum 1. Mai. Zumindest theoretisch, auch damals wurde nicht am 1. Mai gespielt.

Doch im Gegensatz zu 2016 hatte sich die DFL damals eine weitaus charmantere Lösung einfallen lassen. Zwei Spiele fanden am Freitag statt (auch nicht optimal, aber gut), die restlichen sieben Partien wurden am Samstag ausgetragen. Geht doch! Wenn man will.

Da vor fünf Jahren die Möglichkeit bestand, sieben Spiele auf den Samstag zu legen, erscheint es mir jetzt etwas fragwürdig, wie die DFL argumentiert. Auf Wunsch der Polizei darf dass Spiel auf keinen Fall am 1. Mai stattfinden, nein, es muss dringend am Montag ausgetragen werden. Warum? Die Begründung dahinter erschließt sich mir nicht.

Es ging doch schon einmal. Warum jetzt also nicht wieder? Auch wenn das nie ein Offizieller zugeben würde: Dieses Wochenende ist die optimale Gelegenheit, um den Montag als Spieltag zu testen, so, wie es in Plänen ja schon vorgesehen ist. Aber anstatt den Fans zu sagen, dass man einen Testlauf startet, was den Zorn der Fans auf sich ziehen würde, versteckt sich die DFL hinter ihrer Polizei-Begründung. Die Tatsache, dass bereits vor fünf Jahren der gleiche Fall deutlich eleganter gelöst wurde, wird unter den Tisch geschwiegen.

Hier könnt ihr euch den damaligen Spieltag übrigens nochmal ansehen.

Die Fans sind nur ein Spielball

Was bleibt also zurück von dieser fragwürdigen Entscheidung? Die Tatsache, dass die Fans, die diesem Sport zusätzlich Leben einhauen und der Liga jede Menge Geld bescheren, den Verantwortlichen quasi egal sind.

Scheinbar interessiert es niemanden, wie groß die Distanz von Stuttgart nach Bremen ist. Diese Strecke dann noch an einem Montag zurücklegen – dümmer geht es eigentlich nicht. Ich kann an dieser Stelle den Frust aller Beteiligten gut nachvollziehen und bin selbst ein großer Feind des Montagsspiels.

Auch, wenn die DFL dadurch mehr Geld einnehmen kann: am Ende ist der Fußball ohne die Fans nicht wert. Auch, wenn es die Mannschaften eigentlich nicht verdient haben, würde ich mir wünschen, dass das Stadion am 2. Mai in Bremen sehr leer bleibt. Nur so merkt die DFL, dass sie nicht alles mit den Fans machen kann.

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Ultras haben mehr Respekt als ihr denkt

Über die Vorfälle in Dortmund, bei denen ein Fan gestorben und einer ins Krankenhaus gekommen ist, habe ich mich ja bereits geäußert. Die Reaktionen der Fans im Stadion waren ganz große klasse. Was jedoch nach dieser Geschichte bemerkenswert ist: die Presse biegt sich ihre Meinung über die Ultras hin, wie sie sie gerade brauchen.

Sündenböcke im Engelsgewand

Plötzlich merkten nämlich auch die großen Zeitungen und Internetportale in Deutschland, dass Ultras eben nicht nur volltrunke Fans sind, die sich prügeln, Pyrotechnik zünden und für Angst und Schrecken sorgen. Die Dortmunder und Mainzer Ultras haben enorm viel Menschlichkeit gezeigt. Da wurden dann sämtliche vorherigen Berichterstattungen über Bord geworfen und die sonst so bösen Ultras waren plötzlich Engel.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich kritisiere nicht die Tatsache, dass die Fans für diese Aktion medial gelobt wurden. Das war genau richtig, solch eine Reaktion muss gewürdigt werden. Ich kritisiere eher, dass Ultras sonst immer nur die Bösen sind und im Zuge des Todesfalls plötzlich in den Himmel gelobt werden, nur um wenige Tage später wieder auf Ultras anderer Fanszenen einzuprügeln.

Die Kurve bedeutet Menschlichkeit

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich bereits öfter darüber geschrieben habe, dass Ultras gar nicht so böse sind, wie man denkt. Aber anstatt sich selbst eine eigene Meinung zu bilden und in den Block zu gehen, glauben die Leute alles, was man ihnen vorkaut. Aber das ist ja zum Glück nicht nur im Fußball so.

Ich erinnere mich an vergangenen Dezember. Die Bayern spielten zu Hause gegen Ingolstadt, als in der ersten Halbzeit ein Fan im Oberrang kollabierte. Sofort stellte die Münchner Kurve ihren Support ein, Leute, die trotzdem nicht ruhig sein konnten, bekamen vom Capo eins auf den Deckel. Und was antworten die Leute drumherum auf eine solche Aktion? „Uuuuh, seid alle still, der Mann mit dem Megafon will das so“, gefolgt von Gelächter.

Da stelle ich mir die Frage: Wer verhält sich jetzt schlimmer? Die Ultras, die für einen wildfremden Mann im Oberrang den Support aus Respekt einstellen oder die Außenstehenden, die sich über solche Ansagen lustig machen? Zumindest hatte die Sache ein halbwegs gutes Ende: Der Mann war okay, wurde von den Rettungskräften aus dem Stadion gebracht und aus der Südkurve gab es lauten Applaus dafür. Ich glaube, so viel Menschlichkeit würden nur die wenigsten im Stadion zeigen.

Schert nicht alle über einen Kamm

Was ich sagen möchte: Schert die Ultras in der Öffentlichkeit nicht alle über einen Kamm. Gut, sowas passiert in Deutschland ja auch nicht nur im Fußball, aber trotzdem. Klar schlagen Ultras mit Prügeleien und Pyrotechnik ab und an mal über die Stränge. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Wer Mist macht, muss dafür bestraft werden, egal wer es ist. Aber es sind nicht gleich alle die Verbrecher, die in der Kurve stehen. Das Spiel Dortmund gegen Mainz war der beste Beweis dafür.