Die Spannungs-Debatte (Teil 2): Matthias Ginters Schnapsidee – Oder: Warum Playoffs keine Lösung sind

Eigentlich dachte ich, diese Woche sei etwas Ruhe in die Debatte „Die Bundesliga ist so langweilig“ eingekehrt. Aber dann wachst du sonntags auf und siehe da: Gladbachs Matthias Ginter schießt mit dem gleichen Playoff-Vorschlag um die Ecke wie schon zig Leute vor ihm. Übrigens: Nur, weil man diese Idee ganz oft sagt, wird sie nicht besser, liebe Experten.

In Teil zwei meiner Spannungs-Debatte erkläre ich euch auch, warum. Teil eins gibt es hier zum Nachlesen.

Playoffs bedeuten nicht gleich Spannung

Interessant finde ich immer wieder, wie die Leute denken, dass Playoffs Spannung auf Knopfdruck bringen. Das mag erstmal so scheinen. Schließlich wird die Meisterfrage nach hinten rausgezögert und die Teams müssen erstmal in der Finalrunde den Meister unter sich ausmachen. Top. Aber ist eine Verzögerung der Entscheidung wirklich mit mehr Spannung gleichzusetzen?

Nö. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine dominante Mannschaft aus dem alten Ligensystem auch die Playoffs dominiert, ist sehr wahrscheinlich. Als Beispiel hierfür müsste man nur mal in die amerikanische Basketball-Liga NBA gucken. Wie in den Playoffs üblich, werden diese nach einer Setzliste ausgetragen. Heißt: Der erste der regulären Saison trifft erstmal auf das schwächste Team, dass sich für die Playoffs qualifiziert hat.

Das würde Stand jetzt bedeuten: Die Bayern würden (wäre die Saison jetzt vorbei und es würden Playoffs gespielt werden) auf den FC Augsburg treffen (wenn wir annehmen, dass sich acht Teams für die Endrunde qualifizieren). Wow, das knistert ja FÖRMLICH VOR SPANNUNG! Und auch danach würde bei einem Bayern-Sieg vermutlich ein eher niederklassiges Duell warten.

Um auf die NBA zurückzukommen: Dort hat in den vergangenen Jahren auch immer eine der Top-Mannschaften (die Golden State Warriors) erstmal alles rasiert, bevor es im allerletzten Final-Spiel zumindest ein klein wenig spannender wurde. Was das für die Bundesliga bedeutet? Die Playoffs würden erstmal wohl keine große Spannung bringen, sondern die Dominanz der Bayern bestätigen. Zumindest wäre das die wahrscheinlichste Variante, obwohl Ausrutscher natürlich immer möglich sind.

Ginters Schnapsidee

Noch deutlicher würde die Dominanz der Bayern werden, wenn man die Idee von Matthias Ginter anwendet. Er fände es cool, wenn es ein Best-of-Three-System gäbe. Das würde natürlich der dominanten Mannschaft – den Bayern – in die Karten spielen. Aber so weit hat Herr Ginter wohl nicht gedacht.

Denn: Die einzige Möglichkeit, wie die Playoffs etwas Überraschungsmoment bringen könnten: Die Bayern stolpern gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner und scheiden aus. Das geht aber nur, wird nur ein Spiel pro Runde gespielt. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Bayern in einer Serie über drei oder mehr Spiele den Kürzeren gegen irgendeine Mannschaft in der Bundesliga ziehen würde? Ich nicht. Nicht mal gegen Dortmund oder Leipzig. In mehreren Spielen wären die Münchner für mich fast unbesiegbar.

Man sieht also: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Herren Ginter und Co. mit ihrem Ruf nach Playoffs keine Sekunde darüber nachgedacht haben, was diese tatsächlich für die Liga bedeuten würden. Nämlich im Zweifelsfall eine noch größere Bayern-Dominanz. Und drei oder mehr Spiele hintereinander vom Kaliber alá Bayern gegen Augsburg oder Leverkusen gegen Hannover. Und das muss ich nun wirklich auch nicht haben.

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Die Spannungs-Debatte (Teil 1): Den Offiziellen ist das Sportliche egal

Die Bayern sind zu dominant, die Bundesliga ist langweilig und ohnehin ist alles scheiße. Dieser Eindruck wurde zuletzt durch die mediale Berichterstattung in Deutschland erweckt. Ideal für unzählige Experten, um unfassbar dämliche Vorschläge einzubringen, wie man das „Produkt“ Bundesliga wieder verbessern kann.

Und hier liegt auch schon das große Problem. Immer öfters fiel nämlich die Bundesliga im Zusammenhang mit dem Wörtchen „Produkt“. Was mich zu der eigentlichen Aussage dieses Textes bringt. Den Herren von der DFL und dem DFB dürfte es nämlich so ziemlich scheißegal sein, dass der FC Bayern seit Jahren alle Gegner an die Wand spielt. Zumindest aus sportlicher Sicht. Den hohen Herren dürfte es wohl nämlich nur um eins gehen: sinkende Einnahmen.

Eine falsche Diskussion aus falschen Gründen

Dafür möchte ich mal meine Sicht der Dinge darlegen. Letzten Endes wird aus meiner Sicht nämlich eine Debatte entfacht, die komplett unsinnig ist. Natürlich sind die Bayern seit Jahren dominant. Natürlich nervt dich das, wenn du Dortmund-, Schalke- oder Gladbach-Fan bist oder einfach neutraler Zuschauer bist. Aber sollte man deshalb den Teufel an die Wand malen und alles verändern wollen? Nein!

Denn: Es ist nun mal der Sinn und Zweck des Sports, dass irgendjemand gewinnt. Und egal ob man in die Vergangenheit blickt oder das aktuelle Sportgeschehen betrachtet, es gibt und wird immer Mannschaften geben, die über Jahre hinweg alles dominieren. Beispiele gefällig? Na gut:

  • In den 70er-Jahren dominierte Borussia Mönchengladbach die Bundesliga und sackte fünf Titel in acht Jahren ein
  • In der NFL dominierten zum Beispiel schon in den 1930er-Jahren die Chicago Bears nach Belieben. Seitdem es den Super Bowl gibt, prägten zum Beispiel die Pittsburgh Steelers und aktuell die New England Patriots über Jahre das Geschehen.
  • In der Formel 1 fährt Mercedes seit 2014 die Konkurrenz an die Wand.

Eine Liste, die ich nach Belieben fortsetzen könnte. Wie gesagt: Eine Dominanz eines einzelnen Teams, Sportlers etc. gab es schon vor 70 Jahren. Und wird es auch noch in 70 Jahren geben. Es gehört einfach zur Natur des Sports. Deshalb eine Diskussion zu führen, bei der man eine ganze Liga auf den Kopf stellen möchte, ist daher für mich Bullshit.

Verständnis für die Fans

Immerhin: Ich kann die Fans verstehen, denen es auf den Sack geht, dass der FC Bayern Jahr für Jahr Meister wird. Das ist legitim. Ich kann es in der Formel 1 auch nicht mehr sehen, dass Lewis Hamilton Jahr für Jahr fast jedes Rennen gewinnt.

Will ich aber deshalb, dass die komplette Formel 1 umgekrempelt wird? Nein. Weil man einfach erkennen muss, dass Mercedes Top-Leistung bringt und den Erfolg deshalb verdient hat. Ob mir das nun gefällt oder nicht ist egal. Und genauso verhält es sich in der Bundesliga. Nur weil eine Mannschaft über Jahre gut arbeitet und der Rest der Teams unfähig ist, diese Lücke zu schließen, sollte der Liga-Primus nicht durch künstliche Änderungen bestraft werden.

Wie das übrigens schön nach hinten gehen kann, hat man zuletzt auch in der Formel 1 gesehen. Die Fans wollten mehr Spannung, das Qualifying wurde verändert, am Ende fanden es alle scheiße und es wurde nach wenigen Wochen abgeschafft. Die Moral von der Geschicht‘: Vorsicht vor Kurzschluss-Reaktionen.

Alles läuft in Richtung der Verantwortlichen

So, lange Überleitung, kommen wir jetzt zum Kern des Textes. Ich mache mir nämlich Sorgen, dass die aktuelle Debatte in die Hände der DFB- und DFL-Verantwortlichen spielt, die bei mir eh nicht hoch im Kurs stehen.

Wer glaubt ernsthaft, dass sich da jemand dafür interessiert, ob die Fans eine spannende Liga mit Spieltag für Spieltag ausgeglichenem Fußball serviert bekommen? Ich nicht. Auch wenn es dazu bislang wenig offizielle Meldungen gibt, glaube ich aber, dass den Herren der Liga trotzdem ordentlich der Angstschweiß läuft.

Denn: In Italien merkt man Auswirkungen der ständigen Juve-Dominanz, TV-Sender bieten weniger Kohle für die TV-Rechte. Gut möglich, dass die Bundesliga-Entscheidungsträger für Deutschland ähnliches befürchten.

Letzten Endes muss es ihnen aber egal sein, denn: Die Bundesliga ist ein sportlicher Wettbewerb, bei dem die beste Mannschaft fair gewinnt. Wir sind hier nicht bei einer millionenschweren Serien-Produktion ala „Game of Thrones“, wo die Zuschauer Folge für Folge Nervenkitzel erwarten.

Nein, wir müssen den Sport so akzeptieren, wie er eben ist. Schließlich beschwert sich auf den Amateur-Plätzen auch niemand, wenn die verhaste Mannschaft aus dem Nachbardorf seit Jahren alles gewinnt. Nein, man ist mit jedem Anlauf motivierter, sie zu schlagen. Und so ist es auch in der Bundesliga. Es kommen auch wieder andere Zeiten – das dürfen wir nicht vergessen. Ansonsten passiert nämlich das, was ich ganz zu Beginn schon angesprochen habe. Der Fußball wird mehr und mehr zum Produkt. Und das will wirklich niemand.

In den kommenden Tagen werde ich zur Spannungs-Debatte in der Bundesliga noch mindestens einen weiteren Blog verfassen.