Warum ich keine Länderspiele gucke oder: #NichtMeinVerband

An dieser Stelle sei erstmal erwähnt, dass ich hier als Fußball-Fan blogge. Nicht als neutraler Journalist. Ich würde bezweifeln, dass es sich bei dem ganzen Trubel um die EM ein Redakteur einer Zeitung trauen würde, eine solche Meinung zu verfassen.

Alle zwei Jahre muss ich mich rechtfertigen. „Lass mal zusammen EM gucken.“ – „Nee, guck ich nicht.“ – „Was, wie kann das denn sein? Deutschlandspiele muss man doch gucken?“ NEIN, muss ich eben nicht. Und mache ich auch nicht. Für mich bedeuten große Turniere wie Welt- und Europameisterschaften eines: Eine zumeist längere Sommerpause, was bedeutet, dass ich länger auf meinen geliebten Verein verzichten muss. Das nervt.

Da es scheinbar einzigartig ist, keine Deutschlandspiele zu gucken und nicht mit Fähnchen im Gesicht vor die Tür zu gehen, fasse ich einfach mal zusammen: Darum gehen mir die Spiele der EM mit deutscher Beteiligung so ziemlich am Allerwertesten vorbei. Gut, und die restlichen Spiele eigentlich auch.

  1. DER DFB. Fangen wir mit dem für mich wichtigsten Grund an. Wobei die Unterschiede recht marginal sind. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich den DFB als Verband nicht ausstehen kann. Die Funktionäre im Deutschen Fußball-Bund haben bei den Skandalen rund um die Herren Blatter, Platini und Co. mit ihren Aussagen keine glückliche Figur gemacht. Stattdessen geriet ein Wolfgang Niersbach selbst ins Kreuzfeuer, auch ein Franz Beckenbauer hat scheinbar als Funktionär nicht immer rechtens gehandelt.

    Das bringt mich zu der Vermutung (wie gesagt, Vermutung, beweisen kann ich es nicht): Einige der hohen Tiere beim DFB haben mit Sicherheit ebenfalls keine Weste. Zumindest könnte ich mir das gut vorstellen. Bei mir haben jedenfalls die Funktionäre im Fußball jegliches Vertrauen verloren. Klar schert man da nach einem Vorfall in der Fifa alle anderen über einen Kamm, aber was soll man als Fan heute noch glauben? Vor seiner Wahl verspricht der neue Fifa-Präsident Infantino, den Verband wieder auf die richtige Bahn zu lenken, später kommt der Verdacht, dass er wohl auch nicht sauber ist. Ganz ehrlich, als Fan komme ich mir da veralbert vor und ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass bei großen Verbänden wie in Deutschland, England und Co. nicht auch getrickst und geschmiert wird, wo es nur geht.

    Gleichzeitig bin ich ein großer Feind des Kurses des DFB gegen die deutschen Ultras. Klar soll sich niemand in deutschen Stadien prügeln, Gewalt ist einfach nicht zu tolerieren. Klar gehören so Idioten, die den Platz stürmen, nicht ins Stadion. Muss man aber deswegen immer Kollektivstrafen verhängen? Muss man Auswärtsfans (Beispiel Frankfurt in Darmstadt) stets Steine in den Weg legen? Nein. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn der DFB wollte, könnte er die Randalierer gezielt einzeln aus dem Verkehr ziehen. Stattdessen werden gleich alle Ultras ausgesperrt. Ist halt einfacher. Damit sorgt der DFB aber nicht für mehr Sicherheit. Stattdessen werden die deutschen Stadien durch diesen Kurs immer ruhiger. Dafür werden schön die Fans abgezogen, die sich ihr Ticket für 90 Euro kaufen und bei einem Tor gerade so klatschen. Nein, so will ich nicht im Stadion Fußball gucken.

    Long Story short: All diese Punkte, und ich könnte noch mehr aufzählen, sorgen für eines: Ein Team, dass unter dem Banner des DFB aufläuft, kann ich einfach nicht anfeuern.

  2. DIE SPIELER. Das geht fix jetzt, versprochen! Mein Standpunkt: Während der Bundesliga-Saison stehe ich zu meinem Verein. Klar, dass man da auch Abneigungen gegen gewisse Spieler eines Konkurrenten hegt. Wenn ich jetzt 34 Spieltage lang gegen diesen Verein und gegen diesen Spieler bin, fange ich nicht im Sommer an, diesen plötzlich anzufeuern, als hätte ich alles andere vergessen. Das käme mir wie Betrug an meinem Verein vor, das könnte ich nicht.
  3. DER EVENTCHARAKTER. Länderspiele haben in ihrem Drumherum noch weniger mit Fußball zu tun, als es in den nationalen Ligen dank Kommerzialisierung schon der Fall ist. Länderspiele sind nur alle paar Wochen, für ein absolut grottiges Spiel gegen einen Gegner wie die Slowakei werden die Fans kräftig zur Kasse gebeten. Am besten noch ein Trikot angedreht und ein Schal, schon wurde der Zuschauer kräftig abgemolken. Und die Stimmung im Stadion ist dann natürlich unterirdisch, weil sich Ultras sowieso nicht antun würden. Stattdessen wird noch fröhlich gepfiffen. Unglaublich!

    Länderspiele verkommen immer mehr zum Unterhaltungsevent statt zu einem Sportspektakel. Auch bei der EM. Da wird so viel Brimborium um Nichts gemacht, und am Ende schaffen es die deutschen Fans halt einfach nicht, Stimmung zu machen. Das hat nichts mit Fankultur zu tun. So Bilder wie aus dem Block der Nordiren sind erfrischend. Halbgarer Jubel, wenn Mario Gomez den Ball über die Linie stolpert, nicht.

  4. FANS, DIE KEINE SIND. Jeder Mensch ist anders. Das finde ich schön. Ich mag Fußball, mein Kumpel lieber Handball, der Arbeitskollege guckt lieber Basketball. Am Ende hat jeder Mensch eine andere Begeisterung, und das ist gut.

    Was ich allerdings nicht ausstehen kann, ist, wenn die Leute vorgeben, von etwas Fan zu sein, nur weil alle anderen es tun. Wenn ich durch meinen Facebook-Account gehe, sehe ich vor jedem Spiel 200 Frauen, die sich mit Deutschland-Fähnchen, Trikot und Flagge eingehüllt beim Selfie zu zeigen. Pure Selbstdarstellung, wirklich interessieren für das Spiel tun sich nur wenige Leute dieser Selfie-Fans. Hauptsache die anderen damit beeindrucken wollen, dass man auch Fußball guckt. Wenn dann aber Bundesliga ist, hört man wieder nur „Oh, Fußball ist so langweilig.“

    Und das geht gar nicht. Ich freue mich auch nicht, wenn jetzt ein THW Kiel die Handball-Champions-League gewinnt. Einfach, weil ich kein großer Handball-Fan bin. Ich bin ich selbst und gebe nicht vor, jemand zu sein, der ich nicht bin. Es ist doch überhaupt kein Problem, sich nicht für Fußball zu interessieren. Diese Heuchelei bei großen Turnieren nervt viel schlimmer. Und Erfolgsfans, da sind sich alle einig, die mag keiner.

 

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Die Relegation muss wieder weg

Von 1982 bis 1991 sowie seit 2009 war beziehungsweise ist sie ein Teil der Fußball-Bundesliga: die Rede ist von der Relegation. Das hat natürlich einen entscheidenden Vorteil: zwei Spieler mehr, die den Offiziellen hinter der Bundesliga sowie den TV-Sendern mehr Geld in die Kassen spülen.

Aus sportlicher Sicht bin ich aber einer klaren Meinung: Relegationsspiele sind unfair und sollten schnellstmöglich wieder abgeschafft werden.

Spannung contra Leistung

Spätestens durch die grandios schlechten Auftritte des Hamburger SV in den vergangenen zwei Jahren sind die Diskussionen über Sinn und Zweck der Relegation durch die Decke geschossen. Und auch, wenn sich Eintracht Frankfurt in zwei Spielen letzten Endes verdient gegen Nünrberg durchgesetzt hat, bin ich der Meinung: Nürnberg wurde durch die Relegation klar benachteiligt.

Natürlich ist es spannender, noch zwei Entscheidungsspiele um den dritten Aufstiegs- beziehungsweise Abstiegsplatz in der Bundesliga zu veranstalten. Millionen Leute gucken sich das im Fernsehen an, bisher waren die Relegationsspiele auch oftmals sehr knapp, somit spannend. Und, wie gesagt, sie werfen Geld ab. Aber: Gleichzeitig widerspricht die Relegation ganz klar dem Leistungsprinzip.

In den beiden Spielen gegen Frankfurt hat es sich Nürnberg nicht verdient, aufzusteigen. Das war Käse. Aber in den 34 Spielen zuvor in Liga zwei, da hat es sich der FCN ganz sicher verdient, ins Oberhaus hochzugehen. Stattdessen dürfen die Franken jetzt ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen. Ein ganzes Jahr voller guter Leistungen wird nicht belohnt. Was ein Bullshit.

Stattdessen werden die belohnt, die ein Jahr lang absolute Grütze zusammengespielt haben – an dieser Stelle auch nochmal Grüße nach Hamburg. Den Leuten von DFL und DFB dürfte wohl Geld deutlich wichtiger sein als sportliche Fairness. Dennoch könnte ich mich Jahr für Jahr darüber aufregen, dass schlechte Leistung in der Relegation belohnt und gute Leistung bestraft wird. Zumindest die Leistung in den 34 Spielen zuvor. Das darf nicht wahr sein.

Extremfall Regionalliga

Noch schlimmer finde ich das Szenario Relegation aber in Deutschland Regionalligen. Fassen wir zusammen: Wir haben fünf Regionalligen. Sechs Mannschaften, die fünf Meister sowie der zweite der Regionalliga Südwest, gehen in die Aufstiegsrelegation der 3. Liga.

Wie bescheuert geht es eigentlich noch? Da spielst du eine geile Saison, wie zum Beispiel die Sportfreunde Lotte in der Regionalliga West. Holst 83 Punkte, 15 Zähler vor Platz zwei. Und am Ende steigst du womöglich als MEISTER nicht auf, weil du womöglich an einem Tag nicht in Form bist, dir ein Eigentor reinlegst oder was weiß ich. Das geht mir nicht in den Kopf.

Meister müssen einfach aufsteigen. Notfalls gehen halt fünf Teams aus der 3. Liga runter, na und? Aber so wie aktuell ist das ein Schlag ins Gesicht jedes Meister in den Regionalligen.

Veränderungen müssen her. Und wenn die Relegation zur 3. Liga überarbeitet wird, kann man die für Liga eins und zwei gleich auch abschaffen.