Twitter-Feedback: Der erste Trainingstag von Arturo Vidal

In meinem vorherigen Blogeintrag habe ich abgewägt, ob Arturo Vidal ein gelungener Neuzugang für den FC Bayern ist, oder eben nicht. An seinem ersten Trainingstag beim neuen Verein hat der Chilene auch auf Twitter für viele Reaktionen gesorgt.

Die besten habe ich hier für euch gesammelt. Und das unterstützt auch die These meines ursprünglichen Eintrags: die Meinungen zu dem 28-Jährigen gehen weit auseinander.

Und, nun ja, über einen anderen Transfer ist auch noch lange kein Gras gewachsen:

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Arturo Vidal: Fluch und Segen zugleich

Mittwoch, 29. Juli, nachmittags in München: Arturo Vidal betritt in pinken Fußballschuhen den Trainingsplatz des FC Bayern. Der Mann mit den vielen Tattoos, der auffälligen Frisur und der ruppigen Spielweise nutzt eben auch bei seinem neuen Arbeitgeber die erstbeste Möglichkeit, um aufzufallen. Der Chilene mag zwar laut der aktuellen Ausgabe der SportBild ideal zum System von Trainer Pep Guardiola passen. Trotzdem ist er für den Verein nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch. Es folgt ein Pro & Contra.

Diese Punkte sprechen für Arturo Vidal:

  • Ein echter Anführer auf dem Platz, ein „Aggressive Leader“, wie Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld zu sagen pflegte. In der ersten Saison nach Bastian Schweinsteiger braucht es auf dem Platz jemanden, der vorangeht. Vidal kann diese Rolle definitiv einnehmen. Von einem Alonso, der eher mit klugen Pässen als mit Worten und ruppigen Zweikämpfen seine Fäden zieht, braucht man nicht erwarten, dass er so vorangeht wie beispielsweise ein Vidal. Von den Bayern-Bubis um Kimmich, Højbjerg, Gaudino und Co. ganz zu schweigen.
  • Arturo Vidal ist keiner, der nur von seinem großen Namen lebt. Auf dem Platz bringt er Leistung. Bei Leverkusen ist er gereift, bei Juventus Turin hat er sich zum Weltklasse-Spieler entwickelt. Der 28-Jährige brachte stets Leistung, wenn er musste. Das zeigt auch die Tatsache, dass er mit Chile in diesem Jahr die Copa America gewonnen hat.
  • Ein Spieler, der im Mittelfeld eher defensiv spielt, ist nicht unbedingt dafür bekannt, dass er viele Tore schießt. So gut Bastian Schweinsteiger auch ist, 45 Tore in 342 Ligaspielen sind jetzt halt nicht die Welt. Bei Juventus Turin hat Vidal in 124 Liga-Partien 35 mal geknipst. Gute Quote. Guardiola und Co. hätten wohl nichts dagegen, wenn er in München ähnlich oft trifft.

Diese Punkte sprechen gegen Arturo Vidal:

  • Man muss es leider so sagen: Die Deutschen sind manchmal echt anstrengend. Während Vidal bei der Copa im eigenen Land besoffen seinen Ferrari zu Schrott fährt, wird er dennoch wie ein Volksheld gefeiert. Hierzulande ist er wegen ein paar Fouls und seiner ruppigen Spielweise als Treter verschrien. Muss nicht unbedingt sein. Diesen Ruf wird Vidal in Deutschland aber so schnell nicht mehr los. Gut möglich, dass sich die pingeligen Reaktionen von außen auf seine Spielweise auswirken. Zumindest ist er nicht der typische, weichgespülte „Good Guy“, den die deutschen Medien scheinbar gerne über den Platz laufen sehen. Ich bin schon auf die erste Bild-Schlagzeile gespannt: „Vidal tritt XYZ kaputt!“
  • Der letzte und wichtigste Punkt: Der Chilene nimmt den jungen Spielern den Platz in der Mannschaft weg. Auch wenn ein Joshua Kimmich sagte, er würde sich gerne mit Schweinsteiger messen, hat er sich wohl gefreut, als ein Konkurrent weniger im Mittelfeld vorhanden war. Der Transfer von Vidal ist für Gaudino, Kimmich, Scholl und wie sie alle heißen, ein riesiger Schlag ins Gesicht. Statt Spielzeit in der ersten Mannschaft dürfen sie wohl eher Praxis auf den Plätzen in Illertissen und Co. mit der zweiten Mannschaft sammeln. Mal ehrlich: Warum holt man ein riesiges deutsches Talent für 7,5 Millionen, um ihm dann einen 28-jährigen Chilenen vor die Nase zu setzen? Muss man nicht verstehen.

Arturo Vidal ist definitiv ein Spieler mit hoher Qualität. Aber ob er in München glücklich wird, steht noch in den Sternen. Auch bleibt abzuwarten, wie lange sich die Talente der Bayern die Position auf der Bank hinter Alonso, Vidal, Lahm und Thiago gefallen lassen.