Kommentar zu Osnabrück gegen Leipzig: Euer Hass macht euch blind

Heute wurde also entschieden: RB Leipzig gewinnt das DFB-Pokalspiel gegen Osnabrück am grünen Tisch. Zuvor hatte ein „Fan“ den Schiedsrichter mit einem Feuerzeug getroffen. Was man in den sozialen Medien dazu lesen muss, ist einfach… traurig. Mild ausgedrückt. 

Ich selber kann verstehen, wenn man gegen die Marke RB Leipzig ist. Ich habe vollstes Verständnis für die traditionsbewussten Fans, die sich gegen den Kommerz im Fußball wehren. Ihr ahnt aber schon, dass an dieser Stelle ein „Aber“ folgen muss. Die Ausmaße, die diese Proteste annehmen, gehen einfach viel zu weit.

In den sozialen Netzwerken durfte man zu der Entscheidung, dass RB „kampflos“ in Runde einzieht, so manche geistige Tiefflieger beim Argumentieren erleben. Und ich sage bewusst geistige Tiefflieger. Eine nettere Bezeichnung für diese Personen will ich an dieser Stelle gar nicht in den Mund nehmen. Ich zitiere mal:

„Es war ein scheiß Feuerzeug, kein Böller, kein Stein – ein Feuerzeug, wie es in jeder Saison 100.000 mal aufs Feld fliegt! (…)

In dem Fall hat es halt jemanden getroffen, das war sicherlich unglücklich (ursprünglich treffen sollte es ja ohnehin einen RB-Ersatzspieler), aber der Schiedsrichter hat sich zweimal den Kopf gerieben und das wars – ich lach mich tot dafür ein Spiel abzubrechen. Und jetzt auch noch zu feiern das diese Hurensöhne aus Leipzig das Spiel geschenkt bekommen, da krieg ich das Kotzen!“

Was soll man dazu noch sagen? Fangen ernsthaft Leute an, solche Geschehnisse zu verharmlosen? Gewalt hat im Fußballstadion nichts verloren – in welcher Form auch immer! Wenn ein Schiedsrichter von einem Feuerzeug getroffen wird, was sicherlich auch nicht gerade langsam unterwegs war, ist diese Aktion aufs Schärfste zu verachten.

Vor vier Jahren wurde beim Pokalspiel zwischen St. Pauli und Schalke ein Schiedsrichter-Assistent von einem vollen Bierbecher getroffen. Zur Erinnerung: Betreffender Assistent ist damals einfach zusammengeklappt. Wer da argumentiert, dass das „ja nur etwas Bier“ war, dem ist auch nicht zu helfen. Bei einem Wurf entsteht eine enorme Wucht, der Schiedsrichter wurde komplett ausgeknockt. Und es ist egal, ob da jetzt ein Bierbecher, ein Feuerzeug, ein Fahne oder ein Taschentuch geworfen wird: das hat in einem Stadion nichts, aber auch gar nichts zu suchen.

Menschen können dadurch ernsthaft verletzt werden. Wenn die Internet-Nutzer solche Taten verharmlosen – wo kommen wir da noch hin? Ist es dann auch bald okay, einem RB-Ersatzspieler einen riesigen Stein an den Kopf zu werfen? Ist es dann (Achtung, Zitat, nicht meine Wortwahl) einfach nur ein „Bullenschwein“, dass mit schweren Kopfverletzung im Krankenhaus liegt, weswegen die Aktion halb so wild ist?

Diese Worte richten sich an die unbelehrbaren Nutzer von Facebook, Twitter und Co.: Solche Aktionen machen unseren Sport mehr kaputt, als es RB je könnte! In eurem tiefen Hass auf diesen Verein werdet ihr einfach nur blind für handelsübliche gesellschaftliche Umgangsformen. Ich wurde so erzogen, dass ich anderen Menschen nichts an den Kopf werfe, wenn ich mir anders nicht zu helfen weiß. Schade, dass es Personen gibt, die sich dazu gezwungen fühlen. Wenn für euch solche Vorfälle nur halb so wild sind, möchte ich euch gerne mal in der Situation erleben, wenn ihr mit voller Wucht ein Feuerzeug an den Kopf bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass ihr das dann nicht mehr so lustig findet.

In diesem Sinne: Gut, dass RB am grünen Tisch weitergekommen ist. Hass ist keine Rechtfertigung für Gewalt. Und wie bereits erwähnt: Gewalt hat im Fußball nichts zu suchen.

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TV-Kritik: Die Sky-Übertragung des Spiels Hessen Kassel gegen Hannover 96

Wer das DFB-Pokalspiel zwischen dem KSV Hessen Kassel und Bundesligist Hannover 96 auf Bezahlsender Sky verfolgt hat, musste auf Vorberichte verzichten. Erst vier Minuten vor Anpfiff begrüßt Kommentatorin Christina Graf die Zuschauer vor den Fernsehern. Immerhin gibt es vor dem Anpfiff noch ein paar Bilder von der Fankulisse im Stadion.

Vor allem zu Spielbeginn geht Graf verstärkt auf den KSV ein, zitiert Aussagen von Trainer Matthias Mink. Davon hätte es ruhig etwas mehr sein dürfen. Zu oft lässt die 29-jährige Kommentatorin den Zuschauer allein und schweigt, anstatt in Manier eines Wolff-Christoph Fuss das Geschehen mit Anekdoten aufzulockern.

Apropos auflockern: Ein Stück mehr Emotionalität würde Graf guttun. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Kommentatorin bewertet wichtige Situationen im Spiel korrekt, leistet sich auch bei Spielernamen keine groben Patzer. Aber gerade bei Torraumszenen wirkt die Kommentatorin zu nüchtern. Ein bisschen mehr Unterhaltungsfaktor wäre schön gewesen.

Am Ende hinterlässt die Sky-Übertragung zwar einen soliden Eindruck, aber das gewisse Etwas hat einfach gefehlt.