Wenn Fußball unter die Haut geht

Wer am Sonntag die Bundesliga verfolgt hat, wird wissen, dass bei der Partie Borussia Dortmund gegen Mainz 05 ein Dortmunder Fan in der Halbzeit verstorben ist, ein zweiter wurde mit einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert. So schrecklich dieser Vorfall war und ist, so großartig haben alle Beteiligten reagiert.

Fansein verbindet

Ich möchte an dieser Stelle nicht runterbeten, was alles anderen Medien auch schon gesagt haben. Ich möchte mich kurzhalten und sagen, was mich an dieser Geschichte so bewegt hat. Erst am Samstag habe ich folgendes Zitat gelesen:

„Am Samstagnachmittag vergessen Millionen Menschen ihre Alltagssorgen.“

Ottmar Hitzfeld

Und ja, es stimmt. Fußball ist mehr als nur ein Sport. Die Liebe zum Verein ist für viele Menschen so wichtig wie Freunde und Familie. Als Außenstehender ist das nicht zu begreifen. Aber der gestrige Tag hat eben gezeigt, dass Fußballfans nicht einfach stumpfe, grölende Idioten sind, sondern in jedem Verein eine kleine Familie. Die gemeinsame Liebe, der Klub, verbindet.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der verstorbene Fan unter den 81.000 Zuschauern auch nur annähernd bekannt war. Aber das macht nichts. Die Reaktion war großartig. Ein ganzes Stadion, sowohl Heim- als auch Auswärtsfans, haben sich miteinander verbrüdert und dem Mann einen würdigen Abschied geschenkt.

Verdienter Respekt

Man kann von Ultras halten, was man will. Man kann Schalke-Fan sein und die Dortmunder hassen. Bei solchen schrecklichen Ereignissen hört dann aber definitiv jede Feindschaft irgendwo auf. Den Dortmunder Fans kann man für diese Aktion nicht genug Respekt entgegenbringen. Dass sie geschwiegen haben und Banner und Fahnen eingerollt haben, dass sie gepfiffen haben, wenn irgendwo im Stadion jemand gesungen hat. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber diese große Geste der Menschlichkeit inmitten einer Ansammlung von über 80.000 sich untereinander weitgehend fremden Menschen – unglaublich.

Ich bin selbst kein Dortmund-Anhänger, aber die 87. Minute dieses Spiels werde ich wohl auf Jahre nicht vergessen. Wie alle Fans im Stadion, auch die Mainzer, ihren Schal gehoben und You´ll never walk alone gesungen haben… Hühnerpelle, würde ein Frank Buschmann da sagen.

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Ewig in der Erinnerung

Was bleibt also nach diesem traurigen Tag? An erster Stelle mein tiefstes Mitgefühl für die Angehörigen des Verstorbenen und auch für den Mann selbst. Niemand sollte nachmittags freudig ins Stadion gehen, seinen Lieblingsklub anfeuern – seine Alltagssorgen vergessen – und dann nicht mehr zurückkehren.

Zudem hoffe ich, dass dieses großartige Verhalten der Fans nicht vergessen wird. Wer die Floskel „Fußball ist mehr als nur ein Sport“ nicht glauben will, soll sich diese Bilder ansehen. Hoffentlich bleiben diese auf ewig ein Teil der deutschen Fußballgeschichte. Eine bessere Demonstration von Menschlichkeit der oft hart gescholtenen Fußballfans hätte es nicht geben können.

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