Langsam reicht´s, lieber Uli

Bayern-Fans machen gerade eine harte Phase durch. Doch seien wir mal ehrlich: Nach über einem halben Jahrzehnt der Dominanz in der Bundesliga äußert sich die schwierige Zeit dadurch, dass der Rekordmeister in der Tabelle derzeit nur auf Rang drei der Tabelle steht. Da sollten die Anhänger aus der bayrischen Landeshauptstadt eher mal in Köln, Bremen oder Hamburg nachfragen, was harte Zeiten wirklich sind. 

Das Jammern über das schlechtere Abschneiden der Mannschaft in dieser Saison ist also Meckern auf hohem Niveau. Aber in einem Punkt kann einem als Anhänger der Münchner derzeit durchaus der Kragen platzen. Und zwar in der Causa Uli Hoeneß. Der Präsident des FC Bayern benimmt sich derzeit wie die Axt im Walde – und sorgt mit zahlreichen Peinlich-Auftritten langsam dafür, dass man sich das Ende seiner Amtszeit wünscht.

Die Galionsfigur mit Rissen

Seit ich denken kann, ist der FC Bayern für mich mit der Person Uli Hoeneß verknüpft. Wie soll es auch anders sein. Mit meinen schlanken 25 Lenzen habe ich es – von seiner Haftstrafe mal abgesehen – noch nie erlebt, dass der 66 Jährige nicht beim deutschen Rekordmeister involviert ist. Man kann ihn lieben, man kann ihn hassen – aber Uli Hoeneß steht für den Erfolg der Bayern wie kein anderer und ist die Galionsfigur des Vereins aus dem Süden Deutschlands. Doch dieser Ruf bröckelt langsam.

Natürlich kann Hoeneß niemand streitig machen, was er alles für die Bayern geleistet hat und welchen Erfolg die Münchner unter seiner Regie hatten und auch noch haben. Das bleibt für immer unvergessen. Allerdings ist die Vergangenheit auch kein Freifahrtschein für das, was sich Hoeneß derzeit leistet.

Eine Verfehlung jagt die nächste

Daher ist es auch kein Wunder, dass Uli inzwischen sogar von eigenen Fans massig Gegenwind bekommt. Das zeigte sich eindrucksvoll bei der vergangenen Jahreshauptversammlung der Münchner, als ein Anhänger der Roten munter gegen Präsident Hoeneß austeilte:

Im Großen und Ganzen trifft diese Rede den Kern der Dinge, die auch ich Hoeneß vorwerfe:

  • Wer im Sommer 0 Euro für Spieler ausgibt, darf in der heutigen Zeit nicht mehr erwarten, oben mitzuspielen. Nicht nur international, auch national. So gut der Kader der Bayern war – wenn Vereine aus dem Ausland hunderte Millionen für neue Spieler ausgeben, muss man selbst Transfers tätigen, um mithalten zu können – meiner Meinung nach. Goretzka, Gnabry und mit Abstrichen Sanches kamen, allesamt junge Spieler, die noch geschliffen werden müssen. Dafür gingen Vidal, Rudy, Bernat. Mit Ausnahme von Vidal auch keine Weltklasse-Kicker, allerdings allesamt Spieler, die man gut für die Rotation hätte gebrauchen können. Glaubt man der Presse, wollte Trainer Niko Kovac im Sommer 2018 weitere Spieler holen – unter anderem den Frankfurter Ante Rebic. Ob ein Kevin Vogt von Hoffenheim den Bayern jetzt weitergeholfen hätte, sei mal dahingestellt. Fakt ist aber: Kovac wollte die Mannschaft weiter verstärken – und bekam von oben einen Riegel vorgeschoben. Die schlechte Zusammenstellung der Mannschaft ist die Schuld von Hoeneß, Rummenigge und Co.
  • Dazu passt die Kritik, dass sich Uli zu sehr ins operative Geschäft einmischt. Er hat noch zu viel Macht bei den Transfers – siehe der Punkt oben.
  • Über die Peinlich-PK von Hoeneß und Rummenigge brauchen wir wohl kaum reden. Erst die Medien anprangern, die Schuld bei allen anderen suchen und kein bisschen einsichtig sein, um anschließend aufs Übelste über Ex-Spieler Juan Bernat herzuziehen. Und das, obwohl man vorher noch das Grundgesetz zitierte und über die Würde des Menschen schwadronierte. Das geht gar nicht.
  • In der aktuellen Debatte mit Paul Breitner bekleckert sich Hoeneß auch nicht gerade mit Ruhm.
  • Und: Statt die Kritik, die an der JHV ihm gegenüber geäußert wurde, anzunehmen, vermutet Hoeneß direkt Verschwörungstheorien und tut die ganzen Sachen ab. Kritikfähigkeit sieht anders aus.

Kasperletheater bei den Bayern

Nach einem verlorenen Spiel sagen Fußballer ja gerne mal, wenn sie mit einer unangenehmen Frage konfrontiert werden, dass man diese oder jene Dinge intern klärt. Vielleicht sollte sich Uli Hoeneß solche Interviews auch mal ansehen.

Denn: Statt Dinge wie den Zwist mit Paul Breitner oder den scheinbar vorhandenen Frust über die deutschen Medien und Juan Bernat zunächst intern anzusprechen, wird alles sofort in die Medienlandschaft rausposaunt. Für die Boulevard-Blätter und Hoeneß-Hasser ein gefundenes Fressen, klar. Allerdings tut er sich und dem FC Bayern damit keinen Gefallen.

Die Kulisse rund um den deutschen Rekordmeister gleicht aktuell eher einem Kasperletheater statt einem professionell geführten Verein. Fast wöchentlich brodeln derzeit neue Krisenherde öffentlich hoch, die dann dann in sämtlichen Gazetten und TV-Sendungen des Landes debattiert werden.

Uli Hoeneß hatte in den vergangenen Monaten die große Chance, nach der ersten großen Kritikwelle, die durch die Pressekonferenz mit Rummenigge aufkam, Größe zu zeigen und zu beweisen, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat. Das hat er aber kein bisschen. Stattdessen zeigt er sich stur wie eh und je und weißt selbst weitestgehend sachliche Kritik aus dem eigenen Fanlager als Lächerlichkeit zurück. Die Pfiffe auf der Jahreshauptversammlung gegen sich hätte Hoeneß als Möglichkeit, nicht als Affront gegen sich selbst betrachten sollen.

Denn in seiner blinden Wut und Sturheit erreicht Hoeneß keine Verbesserung des Status Quo, im Gegenteil, er bringt nur noch mehr Vereinsanhänger gegen sich auf. Wenn es so weitergeht, bleibt für mich daher nur eine Lösung: Man sollte dem Uli sagen, dass es langsam genug ist. Denn bevor Trainer Niko Kovac abgesägt wird, der in diesem Machtspiel der Bayern-Bosse genauso wie Hasan Salihamidzic wie eine Marionette wirkt, sollte man auch die höchsten Tiere bei den Münchnern in Frage stellen. Denn irgendwann ist auch ein Uli Hoeneß nicht mehr tragbar für den Club.

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Jetzt krieg den Arsch hoch, Mario!

Die Spekulationen um einen Wechsel von Mario Götze scheinen beendet. Laut der Bild will der 23-Jährige in München bleiben und freut sich auf das erste Training unter dem neuen Coach Carlo Ancelotti. Nachzulesen gibt es das hier beim Spiegel. Für Bild.de schalte ich bestimmt nicht meinen Adblocker aus.

Sollte Götze wirklich in München bleiben, wäre das für mich eine Überraschung. Einerseits würde ich ihm für diese Entscheidung enormen Respekt zollen – wegzugehen wäre wohl einfacher. Andererseits hilft alles Schönreden nichts: Götze muss jetzt den Arsch hochkriegen und sich durchsetzen!

Alles andere als leicht

Mal ehrlich: Zurück zu Kloppo nach Liverpool oder zurück nach Dortmund, dazu wohl noch zig andere Interessenten aus ganz Europa: Mario Götze hätte sich wohl locker flockig aussuchen können, wo er nächste Saison spielt. Für ihn wäre ein Wechsel die einfachste Option gewesen. In München konnte er sich nie durchsetzen, also lieber fliehen und woanders spielen, anstatt die eigene Reputation und den Platz in der Nationalelf zu riskieren.

Macht er scheinbar nicht. Find ich gut. So viel Courage hätte ich Götze nicht zugetraut. Zudem hätte ich es verstehen können, wenn er sagt, er hakt das Kapitel München ab und versucht, woanders wieder zu alter Stärke zu finden. Wahrscheinlich hätten das sogar neun von zehn Leuten gemacht. Und hätten die Bayern ihn auf die Insel geschickt, hätten sie wahrscheinlich noch zehn Millionen Euro mehr eingesackt, als Götze aktuell eigentlich wert ist.

All diese Gedankengänge scheinen aber obsolet. Götze sucht nicht den einfachen Ausweg. Götze will scheinbar kämpfen. Machen wir es kurz: Respekt vor dieser Entscheidung. Sollte sie denn wahr sein. Das hätten wohl nicht viele gemacht.

Die PS müssen auf den Rasen

Dass Götze ein begnadeter Fußballer ist, steht außer Frage. Dass er bei den Bayern auch viel Verletzungspech hatte, ist auch eher unglücklich gelaufen. Leider fiel er aber zuletzt, wenn er denn mal spielen durfte, eher durch solche Sachen auf als durch Leistung auf dem Rasen:

DAS ist so ziemlich der größte Müll, den ein Fußballer seit Jahren in der Öffentlichkeit gebracht hat. Dementsprechend gut fielen auch die Kommentare unter dem Clip aus:

alter schwede, ich kotz gleich…. dein pr spacko solltest du dringend, ich wiederhole DRINGEND! feuern…

Junge was ist mit dir?! 😀 😀

Götze ist nur noch ne Witzfigur…auch sportlich…alle haben sie geschimpft, weil er in den wichtigen Spielen nicht gespielt hat..Warum wohl? Wenn er mal die Chance hatte sich zu empfehlen, ist er aufm Platz rumgetrabt wie ein angeschossenes Pferd..ich mag den gar nicht mehr !!

Wenn du nur annähernd so viel Energie für deinen Beruf einsetzen würdest, dann sehe deine Situation ganz bestimmt anders aus…Mich wundert bei dir schon lange nichts mehr. Mannnnn Junge, wach endlich auf 😕

Fazit: Wenn du schon nicht gut spielst, schießt du dir mit solchen Aktionen garantiert ein Eigentor.

Wer weiß, vielleicht haben all diese Entwicklungen dazu geführt, dass sich Götze von seinem bisherigen Management getrennt hat. Stattdessen soll sich seine Familie um ihn kümmern. Weg von dämlichen PR-Gags, hin zu mehr Konzentration für das, was wirklich zählt? Man würde es Götze wünschen.

Fakt ist: Mario Götze scheint wohl alles in die Wege zu leiten, um es noch ein letztes Mal in München zu versuchen. Die richtigen Mittel, um sich wieder mehr aufs Sportliche zu konzentrieren, hat er scheinbar schon mit dem Management-Wechsel eingeleitet.

Was jetzt noch kommen muss, ist die Leistung auf dem Platz. Götze kann es sich nicht erlauben, unter Ancelotti ähnlich teilnahmslos über den Platz zu traben wie zu Ende der Saison 2015/2016. Klar hatte er unter Pep Guardiola nie wirklich viel gespielt. Zum Schluss bekam er in der Bundesliga aber immer wieder Einsätze über mindestens 60 Minuten. Statt diese jedoch zu nutzen, blieb er blass, farblos. Eine Rechtfertigung, ihn nicht zu bringen.

Wenn er so weiter spielt, wird er auch unter Ancelotti keine rolle spielen. Aber noch hat Götze die Chance, seine Zeit beim FC Bayern zu einer guten zu machen. Er muss nur einfach mal den Arsch hochkriegen und Leistung bringen.