Warum England nicht die beste Liga der Welt hat

Fußballexperten weltweit schätzen die englische Premier League. Zurecht, schließlich beherbergt diese etliche Topvereine wie die beiden Klubs aus Manchester, Chelsea, Arsenal und so weiter. Gleichzeitig hört man auch immer wieder in den Medien, dass die englische Liga die beste der Welt sein. In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, läuft gerade Liverpool gegen Manchester United. Angesichts dieses (in meinen Augen) Grottenkicks bestärkt sich nur meine Meinung: Nö, die Premier League ist mit Sicherheit nicht die beste Liga weltweit.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Um euch aber nicht einen ellenlangen Fließtext vor die Rübe zu werfen, folgen meine Argumente in übersichtlicher Stichwortform.

  • Der Umgang mit dem Geld: Ja, die Premier League hat dank TV-Vertrag Kohle im Überfluss. Doch ist mehr Geld immer gleichzeitig besser? Garantiert nicht! Wenn ich lese, dass Tottenham 30 Millionen Euro für Son rauswirft, der bei weitem kein Weltklasse-Spieler ist, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ein Angebot über 10 Millionen Euro aus England für Darmstadt Sandro Wagner? Come on. Die englischen Klubs werfen mit ihrem Geld um sich, als wäre es Konfetti.

    Für mittelklassige Spieler werden Summen rausgeworfen, die einfach nur überzogen sind. Zumal im modernen Fußball eh schon zu viel Geld ausgegeben wird. Hier sei die Bundesliga lobend erwähnt. Die deutschen Vereine haben nicht zig Millionen Schulden und bleiben bei den Transferplanungen vernünftig. Irgendjemand sollte man den Engländern mal zeigen, wie man mit Geld umgeht.

  • Das Spiel selbst ist nicht immer attraktiv: Schwierig zu umschreibender Punkt. Sagen wir es so: In Deutschland wird anderer Fußball gespielt als in Deutschland. Besonders wird ja oft hervorgehoben, das Spiel auf der Insel seit intensiver und körperbetonter. Das mag ja sein, aber das ist nicht zwingend ein positives Merkmal. International hat man in den letzten zwei bis drei Jahren schon gesehen, dass die englischen Klubs nicht mehr allzu erfolgreich sind. Von der Nationalmannschaft fangen wir gar nicht erst an.

    Doch auch die Ligaspiele wirken wenig spektakulär. Schauen wir uns mal die Tabelle nach 22 Spieltagen an: Leicester City auf Platz eins, 39 Tore. Arsenal auf Platz drei hat 37 Treffer erzielt. Manchester United kommt mit seinem Rumpelfußball gar nur auf 27 Buden. Was ist denn das? Die Topteams der englischen Liga spielen oft nur wenig berauschenden Fußball, viele Tore sind Mangelware. Mal zum Vergleich: In Deutschland haben die Bayern und Dortmund nach 17 Spieltagen bereits 46 beziehungsweise 47 Buden erzielt.

  • Die Nachwuchsarbeit: Klar, die englischen Klubs bringen auch gute Jungspieler heraus. Als jüngstes Beispiel wäre da Raheem Sterling zu nennen. Aber: Die Jugendarbeit auf der Insel ist bei weitem nicht so gut wie in Deutschland. Hierzulande fallen einem ohne Nachzudenken gleich unzählige Talente ein: Max Meyer, Leon Goretzka, Leroy Sané, Joshua Kimmich und so weiter.

    Diese Kritik steht in Zusammenhang mit Punkt eins. Anstatt einfach auch mal auf die Jugend zu setzen, ballert die Premier League einfach nur Geld für mittelmäßige Spieler aus dem Ausland heraus. Bestes Beispiel: Aston Villa. Massiv abstiegsgefährdet, obwohl in den vergangenen drei Jahren mehrere hundert Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben wurden.

  • Die Eintrittspreise: Die Fans in England sind leidenschaftlich. Leider gibt es in den Stadien keine Stehplätze, aber das ist ein anderes Thema. Problem ist eher, dass die Fans auf der Insel ausgequetscht werden wie eine Zitrone. Teilweise sind in der Premier League die billigsten Tickets doppelt so teurer wie die teuerste Karte in einem deutschen Stadion. Das ist einfach nur dreist. Kein Wunder also, dass die Bundesliga ihre Stadien deutlich besser auslastet.

Diese Liste könnte ich noch weiter führen, das sind aber die wichtigsten Punkte. Bitte nicht falsch verstehen: Die Premier League bietet guten Fußball. Dennoch läuft zu viel falsch, damit sie als beste Liga der Welt durchgeht. Und ein ganz wichtiger Punkt wurde noch nicht erwähnt: Welche Spielklasse denn nun am besten ist, dass entscheidet nicht irgendein Experte, sondern jeder Fußballfan für sich selbst.

Advertisements

Arturo Vidal: Fluch und Segen zugleich

Mittwoch, 29. Juli, nachmittags in München: Arturo Vidal betritt in pinken Fußballschuhen den Trainingsplatz des FC Bayern. Der Mann mit den vielen Tattoos, der auffälligen Frisur und der ruppigen Spielweise nutzt eben auch bei seinem neuen Arbeitgeber die erstbeste Möglichkeit, um aufzufallen. Der Chilene mag zwar laut der aktuellen Ausgabe der SportBild ideal zum System von Trainer Pep Guardiola passen. Trotzdem ist er für den Verein nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch. Es folgt ein Pro & Contra.

Diese Punkte sprechen für Arturo Vidal:

  • Ein echter Anführer auf dem Platz, ein „Aggressive Leader“, wie Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld zu sagen pflegte. In der ersten Saison nach Bastian Schweinsteiger braucht es auf dem Platz jemanden, der vorangeht. Vidal kann diese Rolle definitiv einnehmen. Von einem Alonso, der eher mit klugen Pässen als mit Worten und ruppigen Zweikämpfen seine Fäden zieht, braucht man nicht erwarten, dass er so vorangeht wie beispielsweise ein Vidal. Von den Bayern-Bubis um Kimmich, Højbjerg, Gaudino und Co. ganz zu schweigen.
  • Arturo Vidal ist keiner, der nur von seinem großen Namen lebt. Auf dem Platz bringt er Leistung. Bei Leverkusen ist er gereift, bei Juventus Turin hat er sich zum Weltklasse-Spieler entwickelt. Der 28-Jährige brachte stets Leistung, wenn er musste. Das zeigt auch die Tatsache, dass er mit Chile in diesem Jahr die Copa America gewonnen hat.
  • Ein Spieler, der im Mittelfeld eher defensiv spielt, ist nicht unbedingt dafür bekannt, dass er viele Tore schießt. So gut Bastian Schweinsteiger auch ist, 45 Tore in 342 Ligaspielen sind jetzt halt nicht die Welt. Bei Juventus Turin hat Vidal in 124 Liga-Partien 35 mal geknipst. Gute Quote. Guardiola und Co. hätten wohl nichts dagegen, wenn er in München ähnlich oft trifft.

Diese Punkte sprechen gegen Arturo Vidal:

  • Man muss es leider so sagen: Die Deutschen sind manchmal echt anstrengend. Während Vidal bei der Copa im eigenen Land besoffen seinen Ferrari zu Schrott fährt, wird er dennoch wie ein Volksheld gefeiert. Hierzulande ist er wegen ein paar Fouls und seiner ruppigen Spielweise als Treter verschrien. Muss nicht unbedingt sein. Diesen Ruf wird Vidal in Deutschland aber so schnell nicht mehr los. Gut möglich, dass sich die pingeligen Reaktionen von außen auf seine Spielweise auswirken. Zumindest ist er nicht der typische, weichgespülte „Good Guy“, den die deutschen Medien scheinbar gerne über den Platz laufen sehen. Ich bin schon auf die erste Bild-Schlagzeile gespannt: „Vidal tritt XYZ kaputt!“
  • Der letzte und wichtigste Punkt: Der Chilene nimmt den jungen Spielern den Platz in der Mannschaft weg. Auch wenn ein Joshua Kimmich sagte, er würde sich gerne mit Schweinsteiger messen, hat er sich wohl gefreut, als ein Konkurrent weniger im Mittelfeld vorhanden war. Der Transfer von Vidal ist für Gaudino, Kimmich, Scholl und wie sie alle heißen, ein riesiger Schlag ins Gesicht. Statt Spielzeit in der ersten Mannschaft dürfen sie wohl eher Praxis auf den Plätzen in Illertissen und Co. mit der zweiten Mannschaft sammeln. Mal ehrlich: Warum holt man ein riesiges deutsches Talent für 7,5 Millionen, um ihm dann einen 28-jährigen Chilenen vor die Nase zu setzen? Muss man nicht verstehen.

Arturo Vidal ist definitiv ein Spieler mit hoher Qualität. Aber ob er in München glücklich wird, steht noch in den Sternen. Auch bleibt abzuwarten, wie lange sich die Talente der Bayern die Position auf der Bank hinter Alonso, Vidal, Lahm und Thiago gefallen lassen.