Kurz vor der Winterpause: Endlich eine Auszeit

Mitte Dezember. Über vier Monate der aktuellen Fußballsaison liegen hinter uns, die Bundesliga verabschiedet sich in wenigen Tagen in die Winterpause. Normalerweise eine Zeit für mich, die ich nicht besonders leiden kann. Ein Samstag ohne Fußball? Und das in einer Jahreszeit, wo es draußen sowieso so kalt ist, dass man nur auf der Couch rumliegen möchte? Eigentlich unvorstellbar. Außer in diesem Jahr. Erstmals bin ich an dem Punkt, an dem ich sage: Endlich ist mal kein Fußball.

Schleichend ist die Luft raus

Meine Motivation für den Sport ist gerade ungefähr zu vergleichen mit einem alten Fußball, den man schon seit Kindheitstagen hat. Man hegt und pflegt ihn aus Gewohnheit, doch mittlerweile liegt er nur noch im Keller und setzt Staub an. Und aus dem vormals prall aufgepumpten Sportgerät entweicht langsam die Luft. So fühle ich mich seit Sommer 2018.

Normalerweise war die Sommerpause immer mein geschworener Todfeind. Rund drei Monate ohne Fußball sind halt noch ätzender als die Winterpause. Dafür war ich stets in den letzten Zügen der Sommerpause – also Ende Juli, Anfang August – heiß wie ein frisch geteertes Dach in der Sonne auf die neue Saison. Dieses Jahr war das erstmals nicht so.

Klar, irgendwo hat man sich auf Fußball gefreut. Den ersten Spieltag hat man auch noch mitgenommen, jede Sekunde Fußball geguckt, wo es nur ging. Doch schon am 2. Spieltag bin ich während der samstäglichen Konferenz auf der Couch eingepennt.

Gut, das ist früher auch schon mal passiert. Dann war aber spätestens um 18:30 Uhr die Sportschau Pflicht, um auch nichts verpasst zu haben. An jenem lauen Sommertag im September 2018 entschied ich mich aber gleichgültig, lieber einfach nach dem Aufwachen die Playstation anzuschmeißen. Eigener Club hat gewonnen? Ok, mehr muss ich nicht wissen.

Immer mehr Auszeiten am Samstag 

Und dieser „Schlendrian“ in Sachen Fußball-Gucken setzte sich fort. War es für mich früher – was heißt früher, eigentlich bis vor wenigen Monaten – noch eine Höllenqual, wenn ich samstags oder sonntags meinen Verein nicht verfolgen konnte, aus welchem Grund auch immer, war es mir seit dieser Saison einfach komplett egal.

Immer öfter ließ ich dem inneren Schlendrian in mir den Vorzug. Statt wie sonst Fußball zu gucken, war ich unterwegs, saß am PC, zockte, legte mich in die Sonne, las ein Buch… Alles war irgendwie verlockender als Fußball. Inzwischen habe ich in dieser Saison gefühlt schon mehr Fußballwochenenden verpasst als in den vergangen fünf Jahren zusammengezählt. Und diesmal war das Verpassen absichtlich, sonst nicht.

Ich gebe sogar zu: Teilweise hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass unter der Woche Champions League oder DFB-Pokal anstand. Davon merkte ich teilweise erst, wenn ich unterwegs auf mein Handy starrte und einer Push-Nachricht von einer Sport-App bekam, dass meine Mannschaft ein Tor geschossen hatte. Ups.

Ich bereue Nichts

Tut mir das im Nachhinein leid? Nö, eigentlich nicht. Früher hätte mich sowas auch drei Tage später noch geärgert. Wo wir wieder bei dem Wörtchen früher sind. 

Inzwischen bin ich nämlich an dem Punkt, wo ich sage, dass mir der Fußball einfach zu viel geworden ist. Jede Woche mindestens ein Spiel, teilweise zig englische Wochen am Stück mit sieben Spielen in 20 Tagen – boah. Danke, aber nein danke. Der Fußball ist von einer Leidenschaft, von etwas Besonderem, zum 08/15-Produkt geworden, das man hinterhergeworfen bekommt.

Bestes Beispiel: Früher hätte ich alles getan, um eine Karte für Stadion meines Vereins zu bekommen. Und innerhalb der letzten zwei Jahre war ich auch jeden Monat mindestens 1-2 Mal im Stadion. Jedes Mal war es einfach nur ein schönes Gefühl und auch jetzt ordne ich die Atmosphäre in einem Fußballstadion noch als etwas absolut Außergewöhnliches ein. Aber ich habe einfach keinen Bock mehr drauf. In dieser Saison war ich erst einmal im Stadion. Und das, als das Idol meiner Kindheit, Bastian Schweinsteiger, sein Abschiedsspiel feierte.

An Gelegenheiten mangelte es jedoch nicht. Ich hätte fast jedes Heimspiel besuchen können. Aber ich wollte einfach nicht. Ich zog es vor, lieber was anderes zu machen.

Krankheitsdauer? Ungewiss

Wie lange mich diese „Krankheit“ noch plagen wird? Ich habe keine Ahnung. Gerade könnte ich nicht sicher sagen, ob es nicht noch sogar Monate dauern wird, bis die Leidenschaft wieder zurück ist. Und das ist für mich völlig okay.

Ich hätte zwar nie gedacht, dass es mal so kommt – und das meine ich so, ich war fußballverrückt ohne Ende – aber ich kann wirklich behaupten: der Fußball ist mir mittlerweile kaum noch wichtig. Ich informiere mich noch, wie mein Verein gespielt hat, mal sehe ich mir ein Spiel an – das war´s. 

Doch wer trägt Schuld an dieser Entwicklung? Ich kann es nicht sagen. Der Spielplan meines Vereins wurde nicht aufgebläht. Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League – die gleichen Wettbewerbe wie vor fünf, zehn, fünfzehn Jahren auch. Gerne würde ich hier dem DFB die Schuld für meine Lustlosigkeit in die Schuhe schieben, aber es geht nicht.

Vereinfacht gesagt: Ich habe einfach keinen Bock mehr. Aus allen Gründen. Oder von allen Gründen ein bisschen. Wie die auch immer heißen mögen. 

Aber: Meine Fußball-Abstinenz hat auch positive Seiten. Die Leidenschaft, Sport vorm TV zu gucken, ist immer noch vorhanden. Nur schaue ich zur Zeit lieber Basketball. Oder Football. Alles tolle Sportarten, mit denen man sich auch beschäftigen kann. Und die teilweise noch deutlich tiefgründiger sind – zumindest im Bezug auf Daten und Statistiken. 

Man sieht also: Fußball ist halt doch nicht alles im Leben.

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Warum England nicht die beste Liga der Welt hat

Fußballexperten weltweit schätzen die englische Premier League. Zurecht, schließlich beherbergt diese etliche Topvereine wie die beiden Klubs aus Manchester, Chelsea, Arsenal und so weiter. Gleichzeitig hört man auch immer wieder in den Medien, dass die englische Liga die beste der Welt sein. In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, läuft gerade Liverpool gegen Manchester United. Angesichts dieses (in meinen Augen) Grottenkicks bestärkt sich nur meine Meinung: Nö, die Premier League ist mit Sicherheit nicht die beste Liga weltweit.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Um euch aber nicht einen ellenlangen Fließtext vor die Rübe zu werfen, folgen meine Argumente in übersichtlicher Stichwortform.

  • Der Umgang mit dem Geld: Ja, die Premier League hat dank TV-Vertrag Kohle im Überfluss. Doch ist mehr Geld immer gleichzeitig besser? Garantiert nicht! Wenn ich lese, dass Tottenham 30 Millionen Euro für Son rauswirft, der bei weitem kein Weltklasse-Spieler ist, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ein Angebot über 10 Millionen Euro aus England für Darmstadt Sandro Wagner? Come on. Die englischen Klubs werfen mit ihrem Geld um sich, als wäre es Konfetti.

    Für mittelklassige Spieler werden Summen rausgeworfen, die einfach nur überzogen sind. Zumal im modernen Fußball eh schon zu viel Geld ausgegeben wird. Hier sei die Bundesliga lobend erwähnt. Die deutschen Vereine haben nicht zig Millionen Schulden und bleiben bei den Transferplanungen vernünftig. Irgendjemand sollte man den Engländern mal zeigen, wie man mit Geld umgeht.

  • Das Spiel selbst ist nicht immer attraktiv: Schwierig zu umschreibender Punkt. Sagen wir es so: In Deutschland wird anderer Fußball gespielt als in Deutschland. Besonders wird ja oft hervorgehoben, das Spiel auf der Insel seit intensiver und körperbetonter. Das mag ja sein, aber das ist nicht zwingend ein positives Merkmal. International hat man in den letzten zwei bis drei Jahren schon gesehen, dass die englischen Klubs nicht mehr allzu erfolgreich sind. Von der Nationalmannschaft fangen wir gar nicht erst an.

    Doch auch die Ligaspiele wirken wenig spektakulär. Schauen wir uns mal die Tabelle nach 22 Spieltagen an: Leicester City auf Platz eins, 39 Tore. Arsenal auf Platz drei hat 37 Treffer erzielt. Manchester United kommt mit seinem Rumpelfußball gar nur auf 27 Buden. Was ist denn das? Die Topteams der englischen Liga spielen oft nur wenig berauschenden Fußball, viele Tore sind Mangelware. Mal zum Vergleich: In Deutschland haben die Bayern und Dortmund nach 17 Spieltagen bereits 46 beziehungsweise 47 Buden erzielt.

  • Die Nachwuchsarbeit: Klar, die englischen Klubs bringen auch gute Jungspieler heraus. Als jüngstes Beispiel wäre da Raheem Sterling zu nennen. Aber: Die Jugendarbeit auf der Insel ist bei weitem nicht so gut wie in Deutschland. Hierzulande fallen einem ohne Nachzudenken gleich unzählige Talente ein: Max Meyer, Leon Goretzka, Leroy Sané, Joshua Kimmich und so weiter.

    Diese Kritik steht in Zusammenhang mit Punkt eins. Anstatt einfach auch mal auf die Jugend zu setzen, ballert die Premier League einfach nur Geld für mittelmäßige Spieler aus dem Ausland heraus. Bestes Beispiel: Aston Villa. Massiv abstiegsgefährdet, obwohl in den vergangenen drei Jahren mehrere hundert Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben wurden.

  • Die Eintrittspreise: Die Fans in England sind leidenschaftlich. Leider gibt es in den Stadien keine Stehplätze, aber das ist ein anderes Thema. Problem ist eher, dass die Fans auf der Insel ausgequetscht werden wie eine Zitrone. Teilweise sind in der Premier League die billigsten Tickets doppelt so teurer wie die teuerste Karte in einem deutschen Stadion. Das ist einfach nur dreist. Kein Wunder also, dass die Bundesliga ihre Stadien deutlich besser auslastet.

Diese Liste könnte ich noch weiter führen, das sind aber die wichtigsten Punkte. Bitte nicht falsch verstehen: Die Premier League bietet guten Fußball. Dennoch läuft zu viel falsch, damit sie als beste Liga der Welt durchgeht. Und ein ganz wichtiger Punkt wurde noch nicht erwähnt: Welche Spielklasse denn nun am besten ist, dass entscheidet nicht irgendein Experte, sondern jeder Fußballfan für sich selbst.