Die Medien sind beim Thema Pyrotechnik nicht neutral

Beim Fußball sind Fans, die Pyrotechnik zünden, verpönt. Egal ob im Fernsehen oder in der Zeitung, die Journalisten bezeichnen sie als „Schwachköpfe“, „Idioten“ und „Randalierer“, die die Sicherheit im Stadion gefährden. Leider scheinen viele Medien in dieser Sicht nicht allzu konsequent zu sein. Bei anderen Sportarten werden Bengalos gleichgesetzt mit „toller Stimmung“.

Doppelmoral, wie sie schlimmer nicht sein könnte

Vorweg: Das soll keine Predigt für die Legalisierung von Pyrotechnik in Fußballstadien sein. Ich möchte lediglich aufgreifen, dass Fußballfans bei der medialen Berichterstattung oft unverhältnismäßig angegangen werden.

Beispiel: Wintersport, um genau zu sein Ski Alpin und Skispringen.

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Auf dem Bild sehen wir ein Skirennen von Ende Januar in Schladming. Bei den Zuschauern werden mindestens vier Bengalos gezündet, vorne ist eine Rauchbombe zu kennen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und gegoogelt, wie medial darüber berichtet wurde. Man findet lediglich ein paar Nachrichtenseiten aus der Schweiz und Österreich, die den „Pyro-Wahnsinn“ (Zitat) aufgreifen und berichten, dass Bußgelder verteilt wurden. Daran gibt es nichts zu meckern, die Berichte waren neutral gehalten.

In Deutschland sprang man auf diesen Zug aber nicht auf. Und das, obwohl ARD, ZDF und Co. ausschweifend über Wintersport berichten.

Noch ein Beispiel:

Bei einem Skispringen im Dezember (genauer Ort etc. habe ich nicht mehr im Kopf) schwenkt die Kamera in die Zuschauer. Hinten stehen Menschen, die Pyrotechnik zünden, das Bild lief für drei bis vier Sekunden im TV. Kommentar des Moderators: „Auf den Rängen herrscht eine super Stimmung“. Wie bitte? Wäre das jetzt ein Fußballspiel gewesen, hätte man im selben Augenblick die „unverbesserlichen Chaoten“ verurteilt und gleich Stadionverbot gefordert.

Keine klare Linie

Hier kommt noch ein Beispiel aus dem Fußball. Im November zündeten zahlreiche Schalke-Fans beim Abschlusstraining ihrer Mannschaft vor dem Derby gegen Dortmund zahlreiche Bengalos. Nachzulesen gibt es da hier. 

Scheinbar schien der Autor entweder Pyrotechnik gut zu finden oder er war der Meinung, dass Bengalos nur im Stadion böse sind. Sein Kommentar zu den Bildern:

„Wahnsinn, was am Samstagvormittag beim Schalker Abschlusstraining los war! Rund 3500 S04-Fans hatten sich auf dem Trainingsgelände eingefunden, um die Mannschaft von André Breitenreiter vor dem Derby am Sonntag in Dortmund so richtig in Stimmung zu bringen.“

Wie gesagt, versteht mich nicht falsch. Ich möchte mich weder für noch gegen Pyrotechnik aussprechen. Doch Fakt ist, dass den Medien, egal ob in Deutschland oder Österreich, eine klare Linie fehlt, wie sie mit diesem Thema umgeht.

Contra Pyrotechnik? Gerne. Dann aber bitte diesen Standpunkt konsequent vertreten. Es ist nicht fair, Ultras als Verbrecher abzustempeln, wenn eine Rauchbombe im Block hochgeht, gleichzeitig die Fans beim Ski Alpin für die grandiose Stimmung zu loben, wenn am Hang Bengalos brennen. Bei dieser Art und Weise der Berichterstattung, die keineswegs neutral ist, bekommt man nämlich stets den Eindruck, dass Fußballfans immer mehr in die Ecke der Randalierer gedrängt werden.

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Seid stolz auf eure Ultras

Wer meinen Blog und meine Facebook-Seite schon länger beobachtet, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich mich enorm für das Thema Ultras interessiere. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich als Außenstehender eben auch nur die Quellen zur Verfügung habe, die eben jeder hat, um sich über das Thema zu informieren. Wie es innerhalb einer Ultra-Gruppierung zugeht, das kann ich euch leider auch nicht sagen.

Was ich aber sagen kann: Ich bin der festen Überzeugung, dass Deutschland stolz auf seine Ultras sein sollte. Beziehungsweise jeder Fan eines höherklassigen Vereins sollte froh sein, dass es Ultras gibt, die den Klub bei jedem Spiel lautstark unterstützen.

Kritik ist berechtigt

Kommen wir aber zunächst zu den Kritikpunkten, die Ultras immer wieder vorgeworfen werden:

  1. Ultras sind nur auf Gewalt, also Schlägereien aus.
  2. Ultras halten sich an keine Regeln und machen sowieso, was sie wollen.
  3. Ultras? Die zünden doch eh nur Pyrotechnik.
  4. Vor den Ultras muss man Angst haben. Die eigene Sicherheit ist in Gegenwart dieser Gruppen gefährdet.

So viel nur mal als Beispiel, die Liste könnte man noch ewig fortführen.

Versteht mich nicht falsch: Ich möchte die Ultras auf keinen Fall von allen Anklagepunkten freisprechen. In meinen Augen sind Vorfälle, bei denen beispielsweise Pyrotechnik auf den Rasen geworfen wird, Prügeleien mit der Polizei und gegnerischen Fans ausarten und Nicht-Ultras in Mitleidenschaft gezogen werden, aufs Schärfste zu verurteilen. Auch das Fußballstadion ist kein rechtsfreier Raum. Wer Scheiße gebaut hat, muss dafür in entsprechendem Maß bestraft werden, ohne wenn und aber.

Daher sage ich gleich vorweg: Ja, Ultras fallen öfters mal negativ auf. Dennoch sollte man sie nicht aufgrund von unwahren Gerüchten gleich verurteilen. Wo viele Menschen auf einem Haufen sind, da kann auch mal was schiefgehen. Genauso, wie sich beim Fußball geprügelt wird, gibt es eben auch mal Schlägereien auf einem großen Konzert.

Lange Rede, kurzer Sinn: Schert nicht einfach die Ultras über einen Kamm und glaubt nicht immer das, was in der Zeitung steht. Gerade in diesem Bereich neigen die Medien gerne mal dazu, die Leserschaft mit dem Klischee des „bösen Fußballfans“ befriedigen zu wollen.

Das Positive überwiegt

Dass die Ultras ab und an mal zu weit gehen, haben wir geklärt. Das steht außer Frage. Nun hinterfragt euch aber mal selber: Wie wäre euer Stadionbesuch, wenn es keine Ultras gäbe?

  • Keiner würde eure Mannschaft mehr 90 Minuten unterstützen. Was die Ultras leisten, ist klasse. In der eigenen Freizeit werden über unzählige Stunden Fahnen, Banner, Transparente und Choreos gefertigt, werden neue Lieder ausgedacht. Das würde alles wegfallen und somit dem Fußball eine der wichtigsten Komponenten nehmen, die Emotionen und die Stimmung. Denn ganz ehrlich: Alle zwei Minuten bei einer gelungenen Aktion klatschen (und das macht eben der normale Stadionbesucher) erzeugt einfach keine Atmosphäre. Das ist nicht böse gemeint. Aber niemand, der einfach nur das Spiel sehen will, nimmt die Mühen der Ultras auf sich und trägt so zum Stadionfeeling bei wie diese Gruppierungen.
  • Ihr könntet bei jeder Gelegenheit auch die Männer fluchen hören, die 30 Reihen hinter euch sitzen.
  • Eure Mannschaft erhält so gut wie keine Rückendeckung mehr. Ob Heim- oder Auswärtsspiel, alle Begegnungen fühlen sich quasi gleich an.

Und mal ganz ehrlich, sicherer wäre dadurch auch niemand. Man muss schon arg suchen, wenn man Vorfälle finden will, bei denen die Ultras einen normalen Fan angegriffen haben. Das gibt es eigentlich gar nicht. Von daher würde der normale Stadionbesucher in Sachen Sicherheit keine Veränderungen feststellen.

Statt immer nur das negative zu sehen, seht es doch mal so: Es ist faszinierend anzusehen, wie ein Block auf mehreren tausend Menschen zusammen singt, hüpft und die Mannschaft voranpeitscht. Ich kann jeden verstehen, der sagt, dass das nichts für ihn ist und er lieber einfach nur das Spiel gucken möchte. Aber ein großer Teil der Stadionatmosphäre haben wir alle den Ultras zu verdanken. Und dafür, dass wir in Deutschland so geile Stimmung in unseren Stadien haben, sollten wir dankbar sein.

Zum Abschluss empfehle ich folgendes Video. Die Mageburger Ultras feuern ihre U15 (!!!) bei einem Hallenturnier an. Das zeigt: Ultras sind eben nicht gewaltsuchende Idioten. Sie lieben einfach nur diesen Sport und ihr Team.