Hass auf RB Leipzig: Mitschuld bei den Konkurrenten

Vor einiger Zeit habe ich mich in einem Kommentar bereits dem Thema RB Leipzig gewidmet. In der Zwischenzeit hat sich noch immer nicht viel getan. Ganz Fußballdeutschland scheint den Red-Bull-Klub zu hassen und im Internet posten alle ganz normal ihre Hassfantasien. Die Schuld für diese harten Emotionen ist aber nicht nur unbedingt bei den Ultras zu suchen, die den Kommerz im Fußball traditionell (haha) verabscheuen. 

Professionalität wäre angebracht

Im August vergangenen Jahres legte St. Pauli in der zweiten Bundesliga vor: Im Spielplan auf der eigenen Website wurde das Logo von RB Leipzig nicht gezeigt, stattdessen war dort nur das Wort „Leipzig“ zu lesen. Vor drei Tagen machte der 1.FC Kaiserslautern dasselbe.

Unbenannt

Auf der einen Seite kann ich den Frust natürlich verstehen. St. Pauli und Kaiserslautern sind Klubs mit Tradition, haben durchaus berechtigte Chancen auf den Aufstieg in die Bundesliga. Da ist es natürlich nicht fair, wenn irgendein Verein um die Ecke kommt und mit Millionen eines Brausekonzerns den eigenen Platz einnimmt. Glücklich ist damit natürlich niemand.

Aber: Von einem Verein im Profifußball darf man mehr Professionalität erwarten. Mit solchen Aktionen symbolisiert man nur den eigenen Fans, dass sie den Hass auf RB unterstützen. Und was dann damit beginnt, das Logo der Leipziger nicht zu zeigen, endet womöglich darin, dass die Ultras den Verein auf ihrer Seite wägen und munter auf Leipziger Fans einprügeln.

Grauen vor der Zukunft

Mir graut es schon jetzt davon, wenn RB nächste Saison in der Bundesliga spielt (was wohl sehr wahrscheinlich ist). Die Anhänger von Köln und Frankfurt beispielsweise sind nicht gerade dafür bekannt, zimperlich zu sein. Als RB-Anhänger würde ich mir zweimal überlegen, ob ich da zu einem Auswärtsspiel fahre.

Alles in allem bleibe ich bei meiner Aussage meines oben verlinkten Kommentars. Klar ist es nicht fair, dass Leipzig von null auf hundert durchstartet und verdienten Klubs deren Position streitig macht. Aber was will man machen?

Gewalt hat im Fußball einfach nichts zu suchen. Was im Internet über die Leipziger geschrieben wird, ist einfach geschmacklos. Und ich würde es nicht ausschließen, dass die Gewalt in diesem Fall irgendwann mal heftig eskaliert. Dann braucht sich aber auch kein Klub vor die Öffentlichkeit stellen und so tun, als wäre das nicht absehbar gewesen. Mit ihrer ablehnenden Haltung tolerieren und unterstützen Vereine die Meinung der Fans, der Hass auf RB Leipzig wäre legitim.

Advertisements

Kommentar zu Osnabrück gegen Leipzig: Euer Hass macht euch blind

Heute wurde also entschieden: RB Leipzig gewinnt das DFB-Pokalspiel gegen Osnabrück am grünen Tisch. Zuvor hatte ein „Fan“ den Schiedsrichter mit einem Feuerzeug getroffen. Was man in den sozialen Medien dazu lesen muss, ist einfach… traurig. Mild ausgedrückt. 

Ich selber kann verstehen, wenn man gegen die Marke RB Leipzig ist. Ich habe vollstes Verständnis für die traditionsbewussten Fans, die sich gegen den Kommerz im Fußball wehren. Ihr ahnt aber schon, dass an dieser Stelle ein „Aber“ folgen muss. Die Ausmaße, die diese Proteste annehmen, gehen einfach viel zu weit.

In den sozialen Netzwerken durfte man zu der Entscheidung, dass RB „kampflos“ in Runde einzieht, so manche geistige Tiefflieger beim Argumentieren erleben. Und ich sage bewusst geistige Tiefflieger. Eine nettere Bezeichnung für diese Personen will ich an dieser Stelle gar nicht in den Mund nehmen. Ich zitiere mal:

„Es war ein scheiß Feuerzeug, kein Böller, kein Stein – ein Feuerzeug, wie es in jeder Saison 100.000 mal aufs Feld fliegt! (…)

In dem Fall hat es halt jemanden getroffen, das war sicherlich unglücklich (ursprünglich treffen sollte es ja ohnehin einen RB-Ersatzspieler), aber der Schiedsrichter hat sich zweimal den Kopf gerieben und das wars – ich lach mich tot dafür ein Spiel abzubrechen. Und jetzt auch noch zu feiern das diese Hurensöhne aus Leipzig das Spiel geschenkt bekommen, da krieg ich das Kotzen!“

Was soll man dazu noch sagen? Fangen ernsthaft Leute an, solche Geschehnisse zu verharmlosen? Gewalt hat im Fußballstadion nichts verloren – in welcher Form auch immer! Wenn ein Schiedsrichter von einem Feuerzeug getroffen wird, was sicherlich auch nicht gerade langsam unterwegs war, ist diese Aktion aufs Schärfste zu verachten.

Vor vier Jahren wurde beim Pokalspiel zwischen St. Pauli und Schalke ein Schiedsrichter-Assistent von einem vollen Bierbecher getroffen. Zur Erinnerung: Betreffender Assistent ist damals einfach zusammengeklappt. Wer da argumentiert, dass das „ja nur etwas Bier“ war, dem ist auch nicht zu helfen. Bei einem Wurf entsteht eine enorme Wucht, der Schiedsrichter wurde komplett ausgeknockt. Und es ist egal, ob da jetzt ein Bierbecher, ein Feuerzeug, ein Fahne oder ein Taschentuch geworfen wird: das hat in einem Stadion nichts, aber auch gar nichts zu suchen.

Menschen können dadurch ernsthaft verletzt werden. Wenn die Internet-Nutzer solche Taten verharmlosen – wo kommen wir da noch hin? Ist es dann auch bald okay, einem RB-Ersatzspieler einen riesigen Stein an den Kopf zu werfen? Ist es dann (Achtung, Zitat, nicht meine Wortwahl) einfach nur ein „Bullenschwein“, dass mit schweren Kopfverletzung im Krankenhaus liegt, weswegen die Aktion halb so wild ist?

Diese Worte richten sich an die unbelehrbaren Nutzer von Facebook, Twitter und Co.: Solche Aktionen machen unseren Sport mehr kaputt, als es RB je könnte! In eurem tiefen Hass auf diesen Verein werdet ihr einfach nur blind für handelsübliche gesellschaftliche Umgangsformen. Ich wurde so erzogen, dass ich anderen Menschen nichts an den Kopf werfe, wenn ich mir anders nicht zu helfen weiß. Schade, dass es Personen gibt, die sich dazu gezwungen fühlen. Wenn für euch solche Vorfälle nur halb so wild sind, möchte ich euch gerne mal in der Situation erleben, wenn ihr mit voller Wucht ein Feuerzeug an den Kopf bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass ihr das dann nicht mehr so lustig findet.

In diesem Sinne: Gut, dass RB am grünen Tisch weitergekommen ist. Hass ist keine Rechtfertigung für Gewalt. Und wie bereits erwähnt: Gewalt hat im Fußball nichts zu suchen.