Ultras haben mehr Respekt als ihr denkt

Über die Vorfälle in Dortmund, bei denen ein Fan gestorben und einer ins Krankenhaus gekommen ist, habe ich mich ja bereits geäußert. Die Reaktionen der Fans im Stadion waren ganz große klasse. Was jedoch nach dieser Geschichte bemerkenswert ist: die Presse biegt sich ihre Meinung über die Ultras hin, wie sie sie gerade brauchen.

Sündenböcke im Engelsgewand

Plötzlich merkten nämlich auch die großen Zeitungen und Internetportale in Deutschland, dass Ultras eben nicht nur volltrunke Fans sind, die sich prügeln, Pyrotechnik zünden und für Angst und Schrecken sorgen. Die Dortmunder und Mainzer Ultras haben enorm viel Menschlichkeit gezeigt. Da wurden dann sämtliche vorherigen Berichterstattungen über Bord geworfen und die sonst so bösen Ultras waren plötzlich Engel.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich kritisiere nicht die Tatsache, dass die Fans für diese Aktion medial gelobt wurden. Das war genau richtig, solch eine Reaktion muss gewürdigt werden. Ich kritisiere eher, dass Ultras sonst immer nur die Bösen sind und im Zuge des Todesfalls plötzlich in den Himmel gelobt werden, nur um wenige Tage später wieder auf Ultras anderer Fanszenen einzuprügeln.

Die Kurve bedeutet Menschlichkeit

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich bereits öfter darüber geschrieben habe, dass Ultras gar nicht so böse sind, wie man denkt. Aber anstatt sich selbst eine eigene Meinung zu bilden und in den Block zu gehen, glauben die Leute alles, was man ihnen vorkaut. Aber das ist ja zum Glück nicht nur im Fußball so.

Ich erinnere mich an vergangenen Dezember. Die Bayern spielten zu Hause gegen Ingolstadt, als in der ersten Halbzeit ein Fan im Oberrang kollabierte. Sofort stellte die Münchner Kurve ihren Support ein, Leute, die trotzdem nicht ruhig sein konnten, bekamen vom Capo eins auf den Deckel. Und was antworten die Leute drumherum auf eine solche Aktion? „Uuuuh, seid alle still, der Mann mit dem Megafon will das so“, gefolgt von Gelächter.

Da stelle ich mir die Frage: Wer verhält sich jetzt schlimmer? Die Ultras, die für einen wildfremden Mann im Oberrang den Support aus Respekt einstellen oder die Außenstehenden, die sich über solche Ansagen lustig machen? Zumindest hatte die Sache ein halbwegs gutes Ende: Der Mann war okay, wurde von den Rettungskräften aus dem Stadion gebracht und aus der Südkurve gab es lauten Applaus dafür. Ich glaube, so viel Menschlichkeit würden nur die wenigsten im Stadion zeigen.

Schert nicht alle über einen Kamm

Was ich sagen möchte: Schert die Ultras in der Öffentlichkeit nicht alle über einen Kamm. Gut, sowas passiert in Deutschland ja auch nicht nur im Fußball, aber trotzdem. Klar schlagen Ultras mit Prügeleien und Pyrotechnik ab und an mal über die Stränge. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Wer Mist macht, muss dafür bestraft werden, egal wer es ist. Aber es sind nicht gleich alle die Verbrecher, die in der Kurve stehen. Das Spiel Dortmund gegen Mainz war der beste Beweis dafür.

 

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Wie sicher ist der Fan im Stadion?

Nach den Terror-Anschlägen von Paris und dem abgesagten Länderspiel in Hannover im November herrschte eine große Diskussion: Sind Fans im Fußballstadion noch sicher? Ganz ehrlich, die Antworten der Medien zu diesem Thema waren eher schwammig. Daher bekommt ihr von mir jetzt die Aufklärung.

Keine Panik, liebe Leute

Machen wir es kurz: Nein, Fans müssen im Fußballstadion keine Angst haben. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Bei Großveranstaltungen fallen mir eigentlich kaum Plätze ein, die ähnlich gut gesichert werden können.

Wem diese Antwort nicht genügt: Hier die Gründe für meine Meinung:

  • Die Einlasskontrollen. Diese sind zwar definitiv nicht so gründlich, wie sie sein müssten (dazu folgt die Tage noch ein Blog), aber sie sind ausreichend. Zumindest sollte man Gegenstände, mit denen man ernsthaft große Gruppen von Menschen in Gefahr bringen kann, selbst bei der schlampigsten Durchsuchung gefunden werden. Ganz ehrlich, Bomben und Pistolen schmuggelt man nicht einfach so in „Körperöffnungen“ ins Stadion. Und selbst wenn sich jemand mit Gewalt an den Ordnern am Eingang vorbeischleust, stehen in der Umgebung zumeist genügend Polizisten, die eingreifen könnten.
  • Damit sind wir auch beim nächsten Punkt. Rund um ein Fußballstadion sind in der Regel sehr viele Polizeistreifen unterwegs. Zu Fuß, im Auto, auf einem Pferd: Sollte irgendwo etwas anbrennen, könnten alle Beamten schnell vor Ort sein, schließlich sind sie in unmittelbarer Nähe des Stadions.
  • In die Nähe eines Stadions zu kommen, ist nicht so schwer. Wirklich reinzukommen, aber schon. Teilweise sind die Bundesliga-Stadien noch vor den eigentlichen Eingängen umzäunt, spätestens direkt davor werden ungebetene Gäste dann von einem Zaun gebremst. Und wer einfach so über einen solchen klettern will, wird definitiv bemerkt und gestoppt.
  • Die Tickets. Wer in einem Stadion Unheil anrichten will, muss erstmal rein. Die Chancen, das gewaltsam und unbemerkt zu schaffen, gehen gen Null. Die Gefahr, für einen potenziellen Attentäter vorher gestoppt zu werden, ist groß. Also müsste er irgendwie ins Stadion reinkommen. Und dafür braucht er Tickets. Gut, über Internetportale sind diese relativ leicht zu erstehen. Das wäre auch die einzige Möglichkeit, denn direkt über den Verein kommen Nicht-Mitglieder meistens sowieso nicht an Karten.

    Am sichersten ist der Fan aber in einem Fanblock. Da kommen selbst Vereinsmitglieder eigentlich nur rein, wenn sie Verbindungen zu den Ultras haben. Eine fremde Person wird da sicherlich keine Chance haben.

Klar, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wer Unheil stiften will, würde das wohl auch irgendwie hinbekommen. Aber ich bin mir sicher: In Deutschland braucht sich ein Zuschauer aufgrund der oben genannten Punkte keine Sorgen machen, wenn er ins Stadion geht. Denn falls wirklich ernsthafte Gefahr bestehen würde, wird ein Stadion eben auch mal geräumt – geschehen erst kürzlich in Hannover.