Groß, größer, Großkreutz

Kevin Großkreutz. Ein Spieler, den ich während seiner Zeit in Dortmund nie leiden konnte. Fußballerisch limitiert, eine Persönlichkeit, die Außenstehende zum Aufregen einlädt. Dönerwurf, Pinkeln in der Hotel-Lobby und das lachhafte Intermezzo in Istanbul sorgten jetzt auch nicht gerade für ein positiveres Außenbild. Aber: Ich habe dem Jungen Unrecht getan. Seitdem Großkreutz beim VfB Stuttgart spielt, hat er sich tiefsten Respekt verdient. 

Ein Fußballromantiker im Zeitalter des Geldes

In Zeiten, in denen es wohl 90 Prozent aller Fußballprofis nur noch darum geht, möglichst viele Kohle bei ihren Vereinen einzusacken, ist Kevin Großkreutz noch ein echter Fußballromantiker. Der 27-Jährige ist zwar erst ein halbes Jahr in Stuttgart, weint jedoch nach dem vergangenen Spieltag und dem damit verbundenen Fast-Abstieg der Schwaben bittere Tränen. Nicht, um Mitleid zu erhaschen. Sondern weil er wirklich zu 100 Prozent hinter seinem Verein steht. Weil er selbst im Stehplatz-Block stand und weiß, wie man sich als Fan fühlt und dementsprechend mitleidet. Und vor allem weil er den Fußball liebt.

Daher kaufe ich ihm seine Tränen ab. Und ich kaufe ihm auch ab, dass er mit dem VfB in Liga zwei gehen würde. Großkreutz war schon in Dortmund extrem loyal. Bei seinen Interviews merkt man, dass der gebürtige Dortmunder mit dem Herzen spricht und meint, was er sagt. Daher verwundert es nicht, wenn Großkreutz nach einem Spiel vor laufenden Kameras in Tränen ausbricht.

Man kann von Großkreutz halten, was man will. Wie gesagt, ich mochte ihn bis zum Jahr 2016 noch nie. Aber welchem Fußballfan geht bei solchen Bildern nicht das Herz auf? Ich als Fan, der bis zum Letzen hinter meiner Mannschaft steht, will Spieler sehen, die ebenso denken. Die Weinen, ihren Frust raus schreien und beim Jubeln komplett eskalieren. Das gibt es aber nur noch selten. Danke, Kevin Großkreutz, dass du den Fußball noch wirklich liebst.

Der Mann der Fans

Was ich ihm persönlich ebenfalls hoch anrechne, ist Großkreutz´ Verständnis für die Fan- und Ultraszene in Deutschland. Er weiß um die Wichtigkeit der Anhänger in unseren Stadien. Das zeigt er auch in den sozialen Netzwerken mit Posts wie diesem:

Keine bescheuerte Selbstdarstellung, kein Schönreden, einfach zu 100 Prozent die ehrliche Meinung. Damit erhält man Sympathien.

Kevin Großkreutz hat sich in seiner Karriere schon einige Fehltritte geleistet. Ich hätte vor zwei bis drei Jahren nie gedacht, dass ich diesem Spieler mal Sympathien entgegenbringe. Nie! Kevin Großkreutz ist in diesem Fußballgeschäft, in dem es nur noch ums Geld geht, aber ein ganz großer. Das hat er spätestens während seiner Zeit beim VfB Stuttgart gezeigt. Schade, dass es nicht mehr Spieler gibt, die so sind wie er.

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So verarscht die DFL die Fans

Da ist es also, das erste offizielle Montagsspiel der Fußball-Bundesliga. Am 2. Mai trifft Werder Bremen auf den VfB Stuttgart. Hintergrund: Angeblich wünscht sich die Polizei, keine Spiele am 1. Mai stattfinden zu lassen. Angesichts des prekären Datums mag das sogar sinnvoll sein. Dennoch: Die DFL verarscht in diesem Zusammenhang die Fußballfans.

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Rückblick ins Jahr 2011

Schauen wir doch mal auf die Saison 2010/2011. Damals nämlich fiel der 32. Spieltag auch auf das Wochenende vom 29. April bis zum 1. Mai. Zumindest theoretisch, auch damals wurde nicht am 1. Mai gespielt.

Doch im Gegensatz zu 2016 hatte sich die DFL damals eine weitaus charmantere Lösung einfallen lassen. Zwei Spiele fanden am Freitag statt (auch nicht optimal, aber gut), die restlichen sieben Partien wurden am Samstag ausgetragen. Geht doch! Wenn man will.

Da vor fünf Jahren die Möglichkeit bestand, sieben Spiele auf den Samstag zu legen, erscheint es mir jetzt etwas fragwürdig, wie die DFL argumentiert. Auf Wunsch der Polizei darf dass Spiel auf keinen Fall am 1. Mai stattfinden, nein, es muss dringend am Montag ausgetragen werden. Warum? Die Begründung dahinter erschließt sich mir nicht.

Es ging doch schon einmal. Warum jetzt also nicht wieder? Auch wenn das nie ein Offizieller zugeben würde: Dieses Wochenende ist die optimale Gelegenheit, um den Montag als Spieltag zu testen, so, wie es in Plänen ja schon vorgesehen ist. Aber anstatt den Fans zu sagen, dass man einen Testlauf startet, was den Zorn der Fans auf sich ziehen würde, versteckt sich die DFL hinter ihrer Polizei-Begründung. Die Tatsache, dass bereits vor fünf Jahren der gleiche Fall deutlich eleganter gelöst wurde, wird unter den Tisch geschwiegen.

Hier könnt ihr euch den damaligen Spieltag übrigens nochmal ansehen.

Die Fans sind nur ein Spielball

Was bleibt also zurück von dieser fragwürdigen Entscheidung? Die Tatsache, dass die Fans, die diesem Sport zusätzlich Leben einhauen und der Liga jede Menge Geld bescheren, den Verantwortlichen quasi egal sind.

Scheinbar interessiert es niemanden, wie groß die Distanz von Stuttgart nach Bremen ist. Diese Strecke dann noch an einem Montag zurücklegen – dümmer geht es eigentlich nicht. Ich kann an dieser Stelle den Frust aller Beteiligten gut nachvollziehen und bin selbst ein großer Feind des Montagsspiels.

Auch, wenn die DFL dadurch mehr Geld einnehmen kann: am Ende ist der Fußball ohne die Fans nicht wert. Auch, wenn es die Mannschaften eigentlich nicht verdient haben, würde ich mir wünschen, dass das Stadion am 2. Mai in Bremen sehr leer bleibt. Nur so merkt die DFL, dass sie nicht alles mit den Fans machen kann.